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Informationen
Ablauf
Ich denke, es gibt keine festgelegte Reihefolge, wie das Leben von transsexuellen Menschen abläuft. Jeder wird Phasen durchgemacht haben, wo er sich gefragt hat, was er ist, wie weit er gehen mag oder wo er hin möchte. Einiges solltest Du aber schon einhalten, wenn Du Dich dazu entschlossen hast, Deinen Weg zu Ende zu gehen.
Entscheidung
- Nun bevor Du die weiteren Schritte gehst, solltest Du Dir zwar schon sicher sein, dass Du eine Frau bist, doch hier ist der weitere Weg noch nicht unwiderruflich. Auch ich hatte mal das Gefühl, dass es „nur“ ein Fetischismus ist und auch noch am Anfang der Therapie stand das Ziel für mich noch nicht fest. Wenn Du Dir sicher bist, umso besser.
Therapeut
- Such Dir nun einen Psychotherapeut, der sich damit auskennt. Sinnvoll ist auch ein Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe in Deiner Umgebung (die findest Du HIER)
Alltagstest
- Nun beginnt Dein Outing, ich denke, dass ist für viele die Phase, wo sie am meisten Angst vor haben. Bei mir war das auch so, allerdings ist es nicht einmal halb so schlimm wie Du denkst. Auch ich habe gesagt, bei mir ist aber das und das ganz anders. Vertrau Dich erst Deinen engsten Freunden an und gehe dann Schritt für Schritt vor. Ob Du dabei den langsamen Umstieg zur Frau wählst (bin ich gegangen) oder Du Dir ein festes Datum aussuchst ab dem Du ganz als Frau durchs Leben gehen möchtest, spielt dabei keine Rolle.
- Erwarte nicht zuviel von Deinem Umfeld, die meisten kennen so etwas nur aus dem Fernsehen. Zeig Verständnis für deren Unsicherheit und so werden sie auch Dir nicht abweisend gegenüber stehen. Sicherlich wird der Tag kommen, wo Dich die ständigen fragen nerven, doch denk immer daran, Du hattest Jahre, um Dich auf diesen Schritt vorzubereiten. Dein Umfeld wird meistens doch sehr überrascht reagieren. Hilfreich können hier auch Schreiben an Deine Nachbarn, Arbeitskollegen sein. (Da ich selbstständig bin, habe ich einen Brief an meine Kunden geschrieben, den Du HIER [24 KB] findest).
- Mein Blog gibt Dir dazu einen ganz guten Einblick, wie ich mich damals gefühlt habe und Du wirst Dich sicherlich häufig wiedererkennen.
Ergänzungsausweis
- Du kannst Dir, wenn die Diagnose bestätigt ist von der DGTI einen Ergänzungsausweis ausstellen lassen. Dieser ist zwar kein offiziell anerkantes Dokument, hat mir aber bei einer Polizeikontrolle geholfen und gibt Dir ein gutes Gefühl. Nähere Infos und wie Du ihn bekommst erfährst Du HIER
Hormontherapie
- dazu gibt es sehr oft Diskussionen im Netz. Der ein sagt das, der andere das. Ich möchte hier keine Empfehlung zu der Medikation abgeben, dazu gibt es Ärzte. Such Dir am besten einen Endokrinologen in Deiner Nähe, der kennt sich damit bestens aus. Zu dem empfehle ich Dir auch, dass Du mit Deinem Therapeuten darüber sprichst. Hier brauchst Du auch noch kein ok von Deiner Krankenversicherung. Ich rate davon ab, dass man sich Hormone irgendwo auf dem Markt besorgt und/oder die Antibabypille schluckt. Ich habe gemerkt, was die Hormone unter ärztlicher Aufsicht mit mir gemacht haben und kann mir vorstellen, was passieren kann, wenn man sie nach eigenem Gutdünken einwirft.
Epilation
- Nun gehts um Deine Haare. Nach Beginn der hormontherapie solltest Du Dir Gedanken machen wie Du Deine Gesichtsbehaarung los wirst (nähere Infos HIER). Ein gutes Studio schreibt Dir einen Kostenvoranschlag, den Du zwecks Kostenübernahme an Deine Krankenversicherung schickst. Nach Zusage wird das einer Deiner Hauptbeschäftigungen für die nächsten Monate sein.
Logopädie
- Eventuell solltest Du nun auch mit der Logopädie anfangen. Wenn Du Deine Versicherung bereits informiert hast (Beginn der Hormontherapie und EPilation) solltest Du Dir ein Attest bei einem HNO-Arzt besorgen und eine Logopädie beginnen. Auch diese Behandlung kann sehr langwierig sein und wird Dich die nächsten Monate begleiten. Sie wird Dir aber auch beim Alttagstest helfen. Mittlerweile bin ich sogar der Meinung, dass die Veränderung der Stimme eines der ersten Dinge sein sollte, was Du in Angriff nehmen solltest. Die Stimme ist das, was wir nicht verbergen können und sogut wir uns auch dem weiblichen Erscheinungsbild anpassen können, einen Stimmbruch kann man leider nicht rückgängig machen. Falls Dich das Thema intersssiert schaue auch HIER
Antrag auf Vornamens- und Personenstandsänderung
- Antrag bei deinem zuständigen Amtsgericht, bei mir war es das in Düsseldorf. Von diesem werden nach einer Anhörung (zu der Du möglichst als "normales" weibliches Wesen erscheinen solltest) zwei Gutachter genannt, mit denen Du wiederum Anhörungstermine vereinbarst. Das kann zwischen 1-3 Gesprächen pro Gutachter sein. Auch die Gesprächsdauer und Vorgehensweise ist recht unterschiedlich.
- Beachte auch dabei, ob Du Prozesskostenhilfe beantragen kannst. Nähere Infos dazu bekommst Du HIER
- Die Aussage, dass Du mindestens 3 Jahre als Frau gelebt haben musst, ist ein Irrglaube, du musst nur mindestens 3 Jahre den Wunsch haben (siehe auch hierzu folgendes URTEIL).
- Du kannst mittlerweile auch direkt die Personenstandsänderung beantragen, da das Bundesverfassungsgericht den § 8 Abs. 1 Nummer 3 und Nummer 4 TSG nicht anwendbar sind. Das solltest Du auch in Deinem Antrag schreiben (beachte aber, dass Du bei der PÄ danach bei der privaten Krankenversicherung neu eingestuft wirst)
- das Ganze kann zwischen 3-9 Monaten dauern bis Du schließlich den richterlichen Beschluß in den Händen hälst. Danach musst Du sämtliche Dokumente ändern (macht aber Spaß, wirklich).
- Einen Musterbrief findest du hier: WORD [30 KB] PDF [15 KB] als Download
GaOP
- Irgendwann steht für Dich fest, dass Du auch den letzten Schritt machen möchtest. Wenn auch Dein Therapeut Deiner Meinung ist solltest Du Beratungsgespräche mit entsprechenden Ärzten machen (Nähere Infos findest Du HIER).
- Du kannst oftmals die Gutachten für die VÄ/PÄ für die GaOP nehmen. Viele Versicherungen akzeptieren diese. Zusätzlich brauchts Du nochmals ein Schreiben Deines Therapeuten über Deine Indikation (die Krankenkassen haben grob folgende Richtlinien: 1 Jahr Hormontherapie, 1,5 Jahre Therapie). Es kann sein, dass Du noch zum MDK (medizinischer Dienst der Krankenkasse) musst, der ebenfalls noch einmal prüft ob Du Transsexuell bist.
- Erst nach Kostenzusage durch Deine Versicherung bekommst Du einen Termin von Deinem Krankenhaus/Operateur. Leider haben diese oftmals lange Wartezeiten
FFS
- Facial Feminization Surgery. Nun sind noch viele andere OPs möglich, alles was Dich weiblicher macht. Du wirst aber Schwierigkeiten haben, dass das Deine Versicherung bezahlet, aber versuchen kann man es ja.
Fertig?
- Fertig bist Du wohl nie. Einige Dinge werden Dich wohl ein lebenlang begleiten. Mach Dir das bewusst. Nur die wenigsten werden völlig unerkannt ihr Leben fortsetzen. Du musst keine Angst vor diesem Weg haben, aber Respekt.
Wie lange
Ich habe für alle Dinge ca. 2 Jahre gebraucht (Beginn der Therapie 09/08 - 2te OP mit Brustaufbau 10/10). Sicherlich kann es auch doppelt so lange dauern, aber das ist auch egal und nicht entscheidend. Genieße die Zeit, sie ist einzigartig. Du wirst so viele Highlights erleben.
Lass Dir aber auch die Zeit, die Du brauchst, dieser Weg erfordert auch viel Kraft.
