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Inhalt

90 Tage danach

Es sind nun 3 Monate her, dass ich es vollbracht habe. Ich bin nun auch für mich körperlich eine Frau. Ich schau nach dem Aufstehen in den Spiegel und sehe keine störenden Körpermerkmale mehr, abgesehen von dem einen oder anderen Pfund, was sich auf meinen Hüften gebildet hat. Aber das ist wirklich Nebensache.

In den letzten Tagen bin ich wieder häufiger auf diversen Plattformen und auch auf privaten Websites unterwegs, um noch etwas mehr darüber zu erfahren, wann der Heilungsprozess abgeschlossen ist. Leider habe ich nachwievor Probleme mit meiner Klitoris und das macht mir doch mehr Sorgen, als ich es immer wieder sage. Auch wenn ich noch nie weibliche Sexualität erlebt habe, und sie auch somit nicht vermisse, so habe ich doch Angst, dass ich ein gefühlloses Etwas zwischen meinen Beinen habe, dass ich mich nie ganz meinem Freund hingeben kann. Sicherlich hatten wir auch vor den Operationen sehr schönen Sex, doch wartete ich gerade in den letzten Wochen immer wieder auf erregende Momente, wenn ich mich dort unten berührte. Doch entweder spürte ich gar nichts oder eben Schmerz. Ich schein da einer kleiner Minderheit anzugehören, aber das kenne ich ja schon.

Sicherlich habe ich noch Hoffnung, dass noch alles gut wird und ich möchte auch nicht in Selbstmitleid zerfließen, da mir das nun mal gar nicht hilft. Doch manchmal hilft mir eben auch meine Gedanken aufzuschreiben und das eine oder andere Tränchen zu verdrücken, so sind wir Frauen halt, schnief …

Ich nehme meinen Kosmetikspiegel, meinen Zeigefinger mit etwas Ilon Abszess Salbe und schmiere es mal wieder auf einen neu entstandenen Pickel an meiner Klitoris

Eigentor

Manchmal denke ich, ich bin ein wenig doof geworden. Was ist es, was ich am meisten möchte?: Normalität!! Und da überlege ich, mich eventuell in einem Fitnessclub anzumelden. Jos sagt zwar, da gehst Du eh nicht lange hin, sicherlich auch mit dem Hintergrundwissen, dass mich so etwas anspornt. Nun, ich fahre heute nach der Arbeit und schaue ihn mir an: Triple Five. Nicht eben der schickste Club, aber gute Geräte und Toppreis. Es war recht voll, aber das Publikum schien in Ordnung zu sein. Was das gute ist, die haben auch einen extra Frauenfitnessbereich. Ich mache also meine Führung und wir kommen an dem genannten Frauenbereich vorbei und was sagt die duselige Petra:“ Da darf ich doch auch rein, oder?“ Sie guckt mich verwirrt an und sagt: “Ja, ich denke schon“. Aber ich setze noch einen drauf: “Ich war früher mal ein Mann“.
So erreiche ich bestimmt die Normalität, die ich haben möchte.

Dies besprach ich dann auch in meinem morgendlichen Chat mit Jos. Ich hatte ihm vorher schon den oben stehenden Text zugemailt.

Petra: und kannst du mir sagen, warum ich mich häufig so saudoof verhalte
Jos: generell nicht aber zu diesem Vorfall wohl
Petra: dann höre ich gerne zu
Jos: der drive, der zu dem Verhalten gestern geführt hat hängt zusammen mit deiner immer wiederkehrenden Beschäftigung, wie die Menschen auf dich reagieren, wie wenn wir z.b. shoppen gehen. So lange du dich damit befasst und deine Energie darein steckst, bedeutet das, dass du Dich eigentlich selber noch immer nicht als Frau ganz akzeptiert hast. Deshalb kamen gestern die Bemerkungen von dir und nicht von der Frau.
Petra: Kus, das hast du wohl sehr gut analysiert. Ich frage mich nur warum mir das so schwer fällt. Ich fühle mich sehr wohl in meinem geänderten Körper und auch wie ich nach Außen hin wirke. Ich habe das Gefühl, dass ich viel mehr so bin, wie ich sein möchte, aber ich gebe dir recht, dass ich mich noch immer nicht zu 100% als Frau akzeptiert habe
Jos: Da spielen noch andere Gründe eine Rolle, z.b. dass du immer wieder die Bestätigung aus deinem Umfeld suchst
Petra: meinst du da etwas spezielles, wo und wann ich das mache?
Jos: Im Prinzip immer, du möchtest immer Applaus haben und das Tratschen der Leute beim Shoppen ist für dich eine Art Auspfeifen
Petra: ja das stimmt und du hast recht, ich denke die Lösung liegt darin, dass ich mich als erstes selber lieben lernen muss. Erst wenn ich mich selber akzeptiert habe, dann, ja dann werden es die Anderen auch
Jos: und wenn die es auch nicht machen, ist egal


Dies ist ein Auszug aus dem besagten Chat und mag sicherlich sehr sachlich sein, doch gerade das analytische Denken hilft mir in diesen Situationen am besten

Zweiohr...

Heute Morgen habe ich Freunde eingeladen zum Frühstück. Simone, Ivana und Markus, sie kennen mich nur als Frau und akzeptieren mich auch so. Mittlerweile sind sie ein Teil meines neuen Lebens geworden und ich freute mich schon sehr, sie wiederzusehen. Es war auch ein sehr schönes Frühstück und wir haben viel gelacht.
Danach schauten wir uns noch einen Film an: Zweiohrküken, sehr lustig kann ich nur sagen. Zwar ein wenig derber als der erste Teil, doch wirklich witzig. Leider kippte meine Stimmung dann plötzlich und das hatte mit folgender Szene zu tun. Ludo (Til Schweiger) ging auf eine Kostümparty und das als Frau. Sie zeigten wie er sich verwandelte und dann auf der Party von einem Mann abgeschleppt wurde. Unweigerlich musste ich an mich denken, an mein Äußeres und jedes Mal, wenn Ludo mit seiner tiefen Stimme sprach und sein gegenüber sagte: „Du hast aber eine dunkle Stimme für eine Frau“ musste ich unweigerlich schlucken. Meine Freunde fanden es witzig, auch als Ludo nach durchzechter Nacht neben einem Mann aufwachte, der natürlich nicht gemerkt hatte, dass Ludo in wirklichkeit ein Mann ist.
Wirke ich auch so, ich fand Ludo hatte überhaupt nichts Weibliches an sich und was war daran so lustig? Ich tue meinen Freunden, mir und dem Film sicherlich unrecht, doch schon wieder wackelte mein Selbstbewusstsein in seinen Grundfesten.
Nachmittags sah es dann schon wieder ganz anders aus, da mein Innerstes überhaupt kein Zweifel daran lässt was ich bin, eine (hin und wieder eine sich etwas mehr Selbstbewusstsein wünschende) Frau.

Frohes Neues Jahr Herr Dr. Rossi

Diese Woche habe ich mal wieder volleres Programm. Mit meiner Vagina ist leider immer noch nicht alles so in Ordnung und so hatte ich vor einigen Wochen einen Termin bei Dr. Rossi gemacht, der nun auch aus seinem wohlverdienten Urlaub wieder da war. Doch als Erstes ging es davor zum Perückengeschäft, wo ich mein Haarteil habe reparieren lassen. Mittlerweile waren leider am Vorderkopfteil zu viele Haare ausgefallen, die nun wieder aufgefüllt wurden. Das Verfilzen im Hinterkopfbereich besteht leider immer noch und so kaufte ich dort auch noch etwas andere Pflegeprodukte und hoffte auf Besserung.

Danach fuhr ich zur Uni-Klinik. Dieses Mal war mein Empfinden doch ein wenig anders. War es zuvor oftmals so, wie nach Hause kommen, so empfand ich das Innere des Krankenhauses doch eher bedrückend, auch wenn es heute ein strahlender Sonnentag war. Ich war wieder mal zu früh, hatte aber das Glück, dass Dr. Rossi mich etwas eher drannahm. Ich legte mich auf den Behandlungsstuhl und erzählte ihm von meinen Problemen. Der Harnstrahl sprühte weiterhin zu weit nach Außen, Die Scheidenöffnung reißt beim Coitus immer wieder ein und die Klitoris war ebenfalls nicht so wie es sein sollte. Meine Hoffnung, dass das mit örtlicher Betäubung zu beheben sei, zerstörte er leider, so dass ich mich nun auf einen dritten Aufenthalt einstellen musste. In der nächsten Woche sollte ich aber erst einmal die Klitoris mit Mandelöl pflegen und ihm Rückmeldung geben. Danach würde er einen Bericht verfassen, den ich dann wiederum zwecks Kostenübernahme an meine Versicherung schicken muss.

Das danach nun alles gut sein würde, ließ mich aber auf der Fahrt zur Arbeit wieder strahlen.

Karneval

In etwa 10 Tagen ist Karneval. Eigentlich eine unterhaltsame Zeit und ich wollte immer schon mal als Prinzessin Altweiberfastnacht feiern. Ich weiß, vielleicht nicht gerade meinem Alter entsprechend und mein Freund ist auch nicht davon begeistert, aber ich verstehe auch, warum er das nicht passend findet.
Heute bin ich von dem Freund einer guten Freundin zu seinem Geburtstag eingeladen worden (Altweiberfastnacht in der Stadthalle)und mir wurde nun klar, warum Karneval nicht meine Zeit ist. Ich weiß, dass mein Passing gut ist, ich komme feminin rüber und rein äußerlich wirke ich auch glaubhaft als Frau. Doch, jetzt kommt das aber, ich werde immer durch meine Größe und zu mindestens bis zum heutigen Zeitpunkt auch durch meine Stimme die Aufmerksamkeit auf mich ziehen und gewisse Zweifel aufkommen lassen, ob ich nicht doch ein Mann bin/war.
Und genau aus diesem Grund ist Karneval wohl nicht meins. Ich möchte einfach nicht erleben, dass mich jemand als verkleideten Mann empfindet bzw. mein jetziges Leben als karnevalistischer Scherz.
Und so werde ich die Einladung leider ablehnen

Hatte ich auch noch nicht

Ich rufe gerade bei H&M an, weil wohl etwas unklar ist mit meiner online-Bestellung. Da ich ja weiß, dass manche Menschen mich nicht direkt am Telefon als weibliches Wesen wahrnehmen, melde ich mich meistens mit "Petra Melzer". Dann kommt oftmals die Antwort: "Peter Melzer?". Nein sage ich "Frau Petra Melzer". Meistens folgt dann ein Schweigen, doch diese Sachbearbeiterin überraschte mich dann doch mit Ihrer Antwort:
"Das glaube ich nicht" Ich sah sie dabei bildlich durchs Großraumbüro hüpfen.
Dieses Mal war ich es, die ein kurzes Schweigen folgen lies, da ich so etwas noch nicht hatte. Nach erneutem Beteuern, dass ich FRAU PETRA Melzer bin, glaubte sie mir dann doch. Der Grund, warum ich dort anrufen sollte hatte ich schon vergessen.

Pubertät

Ich durchlebe wohl in den letzten Wochen so eine Art Schnellpubertät. Ich merke verstärkt Veränderungen was mein persönliches Empfinden angeht. Ich stelle immer häufiger fest, dass ich z.B. gutaussehende Männer oder anders, dass ich Männer in Kategorien packe: nett, gutaussehend, interessant, Spacko …
Und manchmal entsteht auch ein Wunsch. Ich möchte mal angebaggert werden. Du hast doch einen Freund, denke ich dann direkt. Ja das habe ich und ich möchte ihn auch behalten und bekomme dann auch ein schlechtes Gewissen. Jos habe ich aber auf einer Plattform für TV/TS kennengelernt. Klar, er sah mich von Anfang als das was ich nun endlich auch für mich bin, eine Frau, doch es war trotzdem eben eine Randgruppenplattform. Auch heute, wenn ich auf verschiedenen TS-Internetplattformen bin, bekomme ich recht schnell doppeldeutige Angebote.
Doch der Wunsch, dass ich mal von einem Mann angemacht werden möchte, und vor allem, dass dieser mich als normale Biofrau sieht, bleibt. Das Witzige dabei wird aber auch sein, dass ich es wahrscheinlich gar nicht merke oder ernst nehme.

Ich hatte dann auch mal mit meinem Freund darüber gesprochen, der meine These natürlich sehr interessant fand, aber eifersüchtig ist er natürlich nie. Mittlerweile sind einige Tage vergangen und das ganze steht auch nicht mehr so auf meiner Tagesordnung. Ich denke wahrscheinlich einfach mehr, oder besser, ich lasse viele Verhaltensweisen, die in mir sind erst langsam nach Außen und natürlich mache ich mir auch viel zu viel Gedanken.
Neuerdings überlege ich sogar manchmal wie ich mich bewegen soll oder laufe. Nicht dass das zu tuntig oder übertrieben wirkt, denke ich dann. Es ist schwer zu beschreiben, ich habe ein festes Bild von mir, wer ich bin, was ich machen möchte. Und da sehe ich eine Frau, nur mein Körper macht oftmals noch immer Dinge, die ich ihm Jahrzehntelang antrainiert habe. Und nicht nur der Körper ist immer noch oftmals auf Mann getrimmt, sondern auch in meinem Kopf muss ich eine Menge Blockaden lösen, um ganz das Leben zu leben, dass ich möchte. Und dazu gehört nun mal auch begehrenswert für das andere Geschlecht zu sein.

Heute ist auch noch etwas anderes Witziges passiert. Ich habe eine Fahrkarte bestellen müssen und hatte gestern diesbezüglich mit einer Frau Rommel gesprochen. Nach Rücksprache mit dem Kunden rief ich dann heute Morgen wieder bei dieser Agentur an und verlangte nach Frau Rommel. „ Das ist Herr Rommel“, sagte man mir am Telefon. “Moment, ich verbinde“ und ich hörte ihn rufen, “Herr Rommel, da ist ein Herr Melzer für sie am Telefon“
So kann es gehen. Ich schlug dann Herrn Rommel vor, dass wir die Stimmen tauschen sollten.

Heute Abend lernen sich auch mein Freund und meine Mutter endlich kennen. Ich bin doch aufgeregter als es wohl nötig ist. Im Juni bin ich nun schon 3 Jahre mit Jos zusammen und bisher hatte meine Mutter ein Kennenlernen immer abgelehnt. Aus Rücksicht vor meinem Vater oder auch aus anderen Gründen. Dieses Mal sagte sie überraschend zu bzw. sagte, dass es ihr nichts machen würde, wenn er dabei ist.
Ich freue mich darauf, habe aber auch gleichzeitig etwas Angst vor …
Es ist mir sehr wichtig, was meine Mutter von meinem Partner hält und anders herum natürlich genauso.

Träumen

Das Treffen war dann sehr entspannt. Meine Mutter holte mich von meinem Autohaus ab, da ich Sommerreifen bekam und wir trafen zeitgleich mit meinem Freund bei mir zu Hause ein. Komisch fand ich an diesem Abend, dass wir fast das erste Mal nicht mich als Thema hatten, sondern meine Mutter viel von sich erzählte. So erfuhr ich, dass sie angefangen hatte über Ihre Vergangenheit zu schreiben und war schon sehr auf das fertige Werk gespannt.
Leider verließ sie uns schon gegen 20:15. Danach machten wir uns noch einen gemütlichen Couchabend mit einer Käseplatte und Rotwein. Wir sprachen mal wieder über die unnötigen Sorgen, die ich mir im Vorfeld gemacht hatte und gingen schon früh zu Bett.

Jos schlief das erste Mal in diesem Jahr bei mir und ich hatte mich schon sehr darauf gefreut. Es gibt mir immer noch etwas ganz Besonderes, wenn ich im Bett seinem Atem neben mir höre und er mich in seinen Armen nimmt. Normalerweise ist es dann so, dass wir recht schnell übereinander herfallen. Dieses Mal nicht und so hatte ich ja etwas Neues, um mir Sorgen zu machen. In den nächsten Tagen dachte ich oft darüber nach und es machte mich auch traurig. Ich möchte hier nur auf meine Gedanken eingehen, auch wenn ich weiß, dass das nicht die einzigen Gründe sind, die für den derzeitigen Status verantwortlich sind.

Leider sind die Intimitäten zurzeit nicht so wie ich es mir wünsche. Ich war eigentlich nie ganz schmerzfrei seid der GaOP, doch hatte ich mich daran gewöhnt. Was sicherlich störender war, ist einerseits das Einreißen des Eingangs, aber noch mehr diese ständige Verhärtung und Schmerzempfindlichkeit der Klitoris. Vor gut zwei Wochen, als ich ein Vollbad genoss, hatte ich kurz die Hoffnung, dass es besser werden könnte, da ich im warmen Wasser so etwas wie ein schönes Gefühl empfand, als ich sie berührte, doch schon kurz danach war der alte Zustand wieder hergestellt. Selbst das Ausduschen war für mich nur eine lästige und unangenehme Aufgabe.
Vor einer Woche bekam ich dann die Kostenzusage meiner Versicherung für die 3te OP, die ich direkt an die Uniklinik faxte. Ich hoffe, dass diese OP dann mir das geben wird, was ich mir sosehr wünsche: mich völlig schmerzfrei meinem Freund hinzugeben und wieder wundervollen Sex zu haben

immer und immer wieder

Ich bin zurzeit gut gelaunt und recht selbstbewusst, der Frühling macht’s möglich. Doch immer und immer wieder schaffen es nur zwei Worte mich zu tiefst zu verletzen. „Kumma, ne Transe“. Ja, sind drei Worte, ich weiß. Aber hört das irgendwann einmal auf. In solchen Momenten schwanke ich immer zwischen losheulen oder zurück gehen und diesen „Menschen“ einfach die Faust mitten ins Gesicht zu schlagen. Ja manchmal habe ich dann Angst vor mir selber, Angst davor, dass ich irgendwann einmal ausrasten könnte …

Ruhig, einmal durchatmen und weiter geht es.

Die positiven Reaktionen überwiegen, doch natürlich frag ich mich dann schon, woran man mich noch erkennt. Klar, die Stimme, das weiß ich. Gesprochen habe ich aber nicht. Ist es wirklich nur die Größe, die mich verrät? Gibt es nicht auch sehr große Frauen, geraten die auch häufig in Verdacht, mal ein Mann gewesen zu sein.
Ich werde nun mal häufiger andere Menschen fragen und sie um ihre ehrliche Meinung bitten. Vielleicht erfahre ich ja so, worauf ich noch mehr achten sollte.

So, nun geht’s schon wieder. Früher habe mich solche Äußerungen Tagelang aus der Bahn geworfen, heute sind gerade mal 10 Minuten um. Wenn das mal nicht ein Grund zum Lächeln ist.

3te OP

Vorgestern war ich bei meiner Frauenärztin. Der Grund hierfür war einfach: Ich hatte meinen 3ten OP Termin genannt bekommen und wollte nun mit ihr besprechen, was ihrer Meinung nach noch gemacht werden musste. Neben dem Einschnitt des Scheidenstegs, empfahl sie noch eine Verkürzung der oberen Schamlippen und eine genaue Untersuchung der Klitoris. Dieses tat nach wie vor recht weh und sie vermutete eine Ablagerung unter der Klitoris, die dann während der OP entfernt werden könnte.
Die OP würde in etwa dreieinhalb Wochen sein, am 10.05. und natürlich setze ich darin schon große Hoffnung, doch ich bin mittlerweile ja auch erfahren genug, so dass ich mich damit zur Zeit nur wenig beschäftigte.

Erkenntnis

In den letzten Wochen dachte ich, dass sich Jos zurückgezogen hat, dass uns immer weniger verband. Doch heute Abend traf mich eine Erkenntnis. Nicht Jos zog sich zurück, sondern ich hatte mich einfach verändert und ich verändere mich jeden Tag seit meinem Pasing. Klar sehe ich ihn in den letzten Wochen sehr wenig – seine Geschäftstermine nehmen ihm voll in Anspruch - und ich vermisse ihn doch sehr. Ich weiß aber auch, dass er immer für mich da ist wenn ich ihn brauche und nach wie vor ist er der wichtigste Mensch in meinem Leben. Es gibt hunderte von Dingen, die uns verbinden, doch manches ist einfach neu.
Was ist an mir nun anders geworden, was gleichzeitig unsere Beziehung verändert hat. Nun, viele Dinge, die wir auch in unserer Beziehung teilten, sind für mich nicht mehr so wichtig. Wir hatten uns damals auf einer Internetplattform für Transgender kennengelernt und fast meine ganze Freizeit widmete ich damals diesen Kontakt- und Erfahrungsplattformen. Ja ich gründete sogar selber eine und vieles was wir besprachen drehte sich halt auch um Personen und Dinge von diesen Plattformen. Doch heute wurde mir klar, dass mir diese Plattformen nichts mehr bedeuteten, ja ich empfinde sogar teilweise Mitleid mit den Menschen, die dort hängengeblieben scheinen.
Mein Leben ist das geworden, was ich mir gewünscht habe, das einer normalen Frau und gerade nun merke ich wie ich mich wieder mit meinem alten Ich auseinandersetzen. Kein Unbehagen mehr, wenn ich an Lothar denke und somit geht ein Kapitel zu Ende, ein Kapitel des „sich Findens“. Ich denke nun oft darüber nach wie alles begann, über meine ersten Empfindungen des Frauseins. Ich hatte vor zwanzig Jahren schon mal ein Buch angefangen, was ich leider zwischenzeitlich mal verbrannt hatte, doch ich möchte mich in den nächsten Wochen ein wenig auf die Spuren meiner Vergangenheit machen.
Jos, sagte mir schon oft, dass es mir besser ginge, wenn ich meine Vergangenheit akzeptiere und ich weiß nun, dass ich soweit bin.

Heute war ein schöner Tag, lalalalala

Ein ganz normaler Tag, ich glaube das erste Mal, dass ich das Gefühl hatte, das man mich zwar angeschaut hat, aber ohne „Ist das ein Mann-Gedanken“. Ist schon einfach mich glücklich zu machen und schon strahlt die Petra
Ich finde das sieht man auch

Reise in die Vergangenheit

Reise in die Vergangenheit
Auf der Suche meiner Vergangenheit stieß ich als erstes auf meine damals recht erfolgreiche Homepage petratranse.de. Ich hatte sie vor gut zehn Jahren aufgegeben, da ich mal wieder Schluss mit meinem „Frausein“ machen wollte.
Damals gab es noch kein travesta und viele hatten ihre eigene Website. Fragmente dieser Homepage fand ich dann auch im Internet und so einige Erinnerungen kamen wieder. Es war meine „Partyzeit“, in der ich noch dachte all das hätte rein einen sexuellen Hintergrund.
Ich fand auch meinen alten Blog wieder, den ich ungefähr im Jahr 2000 verfasste, nachdem ich mein damals noch handgeschriebenes Werk gut fünf Jahre zuvor verbrannte hatte.
Als ich ihn las, war es wie eine Reise in meine Vergangenheit:

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„Ich weiß heute nicht mehr, wie ich zu dem geworden bin, was ich heute bin oder wie Leute mich sehen. Es hat wohl jede Person, die mich ein Stück begleitet hat, dazu beigetragen, dass ich so bin wie ich bin. Ich will hier nicht abstreiten, dass auch ein gewisser Teil, durch Gene und Erbfaktoren vorherbestimmt ist und, dass jeder auch für sich selbst verantwortlich ist, doch vertrete ich auch die Meinung, dass jeder so wird, wie seine Umwelt ihn haben will und so war ich eine zeitlang „Asi“, nicht weil ich so war, sondern weil ich den entsprechenden Freundeskreis hatte. Genauso führte ich zeitweise ein Doppelleben nicht nur weil mir danach war, sondern weil ich zu dem damaligen Zeitpunkt keine andere Möglichkeit für mich sah. Es ist schon witzig, wenn man abends alleine im Bett liegt und darüber nachdenkt, warum man sich so und nicht so verhalten hat. Ich komme leider nie zu einer logischen Erklärung – es ist halt so und ich habe gelernt, mich die meiste Zeit so zu akzeptieren, wie ich bin.

Da die meisten von euch aber nicht gerade viel von meinem Leben kennen und sie es vielleicht auch gar nicht interessiert, erzählte ich euch vielleicht zuerst einmal etwas von meiner Kindheit, so wie sie in meiner Erinnerung geblieben ist. Tja, wie war ich früher:

Ich wurde wie jeder Mensch geboren, bei mir war es der 1.November 1965. Ich war das vierte Kind von Fünfen. Als ich zwei Jahre alt war, starb mein ältester Bruder bei einem Autounfall (er war damals 5). Wir waren aber weiter vier Kinder, da meine Eltern (Mama und Papa) noch einen jüngeren Bruder in die Welt setzen. Ich habe mich in letzter Zeit gefragt, wie meine Eltern mit dem frühen Tod ihres Kindes fertig geworden sind. Sie haben eigentlich nie viel davon erzählt. Hier möchte ich erst einmal direkt die Gelegenheit ergreifen und meinen Eltern danken. Sie hatten wohl den größten Anteil daran, dass ich so geworden bin wie ich bin und das meine ich nicht im negativen Sinn. Auch wenn es für Außenstehende schwer zu glauben ist, wenn sie alles von meiner Kindheit erfahren würden, bin ich doch stolz darauf ein Sohn von Mama und Papa zu sein und heute kann ich wohl endlich behaupten, dass ich sie liebe und sie zu den wichtigsten Menschen in meinem Leben gehören. Ich weiß, dass ich nie das zurückgeben kann, was sie für mich und für alle ihre Kinder getan haben, doch will ich Ihnen wenigstens nach über 30 Jahren sagen, dass sie unter den gegebenen Umständen alles richtig gemacht haben und ihr größter Wunsch, dass ich endlich unter die Haube komme und schuldenfrei bin, werde ich Ihnen sicherlich auch noch erfüllen können. Dass es auch bei uns ab und an gekracht hat, ist wohl eher als normal zu bezeichnen und wenn ich all diese tolle Familien sehe, die nur friede, Freude, Eierkuchen vorgeben, machen sie sich meistens nur selber etwas vor. Es gibt auch jetzt noch Meinungsverschiedenheiten zwischen uns, aber die Aufrichtigkeit untereinander ist es, die ich gerade an unserer Familie schätze und liebe und wenn es hart auf hart kommt, können wir uns aufeinander verlassen.“


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War ich das, der diese Zeilen geschrieben hat, wie verblendet war ich. Erst weitere zehn Jahre später erkannte ich, was unsere Familie nie richtig war: Eine Familie!
Ich liebe meine Mutter nach wie vor und der Kontakt zu meiner Schwester ist sogar etwas enger geworden, doch zu meinem „Erzeuger“ hatte ich mittlerweile gar keinen Kontakt mehr.

Verstecken?

Mir ist ja nun auch klar geworden, dass mich die Normalität wieder hat. Ich habe nun meine Leben wieder, welches ich noch vor drei Jahren als Mann geführt habe. Einiges hat sich geändert und die Dinge, die mich die letzten Jahre täglich beschäftigten sind verblasst. Ich habe aber fest vor meine Homepage nicht aufzugeben oder anders meine Vergangenheit nicht zu verleugnen. Klar wünsche auch ich mir manchmal, dass mich jeder als biologisch geborene Frau wahrnimmt, keinerlei Zweifel an mir hegt, doch verleugne ich mich dann nicht selber, wenn ich alles Vergangene aus meiner Vita streiche.
Sollte man als Transsexuelle nicht eher dazu stehen, dass man in einem männlichen Körper geboren wurde. Ist es nicht gerade auch deshalb für neue Outingbereite TS so schwierig, weil die Öffentlichkeit transsexuell mit „Bunten Menschen“ gleichsetzt, weil die Frauen, die ein gutes bis sehr gutes Pasing haben, in der Gesellschaft untertauchen. Sollten nicht gerade diese versuchen das Thema einer breiteren Öffentlichkeit zu vermitteln. Ich erinnere mich an frühere Zwangsoutings bei Homosexuellen. Wurde es nicht erst dadurch etwas gesellschaftstauglicher, dass man gesehen hat, dass es auch Homosexuelle gibt, die normal aussehen und nicht nur in Lederklamotten mit Kappe rumlaufen.

Ich möchte hier nicht die Richterin spielen, aber so ganz verstehen kann ich das Verhalten des Untertauchens nicht, aber vielleicht ist es ja auch NOCH nicht …

Bin dann mal weg

Gestern war eigentlich ein schöner Tag. Mein Patenkind hat bei mir geschlafen, danach ging’s auf Kurzbesuch zu meiner besten Freundin Michaela und danach bekam ich Besuch von nicht weniger lieben Menschen zum Grillen.
Das Wetter war toll, doch trotzdem fiel ich immer in eine Traurigkeit, die ich anfangs nicht erklären konnte. Bevor ich einschlief verging einige Zeit.
Heute geht es ins Krankenhaus, eigentlich ein kleiner Eingriff, da der Scheideneinstieg etwas vergrößert werden muss, doch was für mich viel wichtiger ist, meine Klitoris. Ich habe seit meiner zweiten OP eigentlich durchgehend immer wieder Schmerzen und von Gefühlen kann leider gar keine Rede sein. So sind meine Erwartungen an dieser OP riesig. Dieser Druck, den ich mir aufgebaut habe, entlädt sich immer mal wieder in Heulattacken. Gleichzeitig macht sich auch eine gewisse Hilflosigkeit breit, da ich auf das Ergebnis keinerlei Einfluss habe. Ich hoffe nur, dass ich endlich das Ergebnis bekomme, was ich mir wünsche und wenn schon keine positiven Gefühle, dann doch wenigstens schmerzfrei.
So nun aber Tasche packen...

OP die 3te

Vor einer Woche bin ich das dritte Mal operiert worden und heute geht es mir schon sehr viel besser. Ob meine Erwartungen erfüllt werden, müssen die nächsten Wochen zeigen. Als ich am Wochenende den OP-Bereich ausduschte spürte ich allerdings noch nichts, außer ein wenig Schmerz. In einer Woche bekomme ich die Fäden gezogen.
Die OP selber dauerte 1:45 und etwas länger, als ich anfangs vermutete. Ich war insgesamt nur 4 Tage im Krankenhaus, freute mich aber sehr über den zahlreichen Besuch. Mein Vorhaben mit Prinzessinnenkrone in den OP geschoben zu werden klappte leider nicht, da mir diese in der Schleuse abgenommen wurde.
Was mich aber am meisten ärgerte war das Verhalten des Pflegepersonals an der Uni-Klinik. Gestern hörte ich ein Zitat von (Dr.Eckart von Hirschhausen): "Im Krankenhaus gilt, solange Patienten noch die Kraft haben zum klingeln, kann es nicht so schlimm sein." Erinnert mich irgendwie an etwas.

Fäden ziehen

2 Wochen ist es her, heute werden meine Fäden der 3ten OP gezogen. Ich habe keine großen Hoffnungen, da mein Intimbereich fast genauso schmerzempfindlich wie vor der OP ist und im unteren Bereich wieder mal die Naht ein wenig aufgegangen war. Deswegen hatte ich bisher auch noch nicht bougiert.
Mir kommen Gedanken in den Kopf, den ganzen Bereich einfach zumachen zu lassen. Nur das nötigste sichtbar zu lassen, zum Wasserlassen. Ich möchte keine Frau sein, die eine tote Muschi mit sich herumträgt. So fuhr ich dann nicht voller Optimismus nach Essen. Der Termin war um 09:15, leider musste ich 1,5 Stunden warten. Wie immer empfing mich Dr. Rossi mit seinem charmanten Lächeln. „Guten Tag Madam, ist alles in Ordnung?“ „Nein, nicht wirklich, einige Fäden sind wieder aufgegangen und meine Klitoris tut fast genauso weh, wie vor der OP.“ „Das kann, eigentlich nicht sein, lassen Sie mich mal sehen. Ich schau mir auch gleich noch den Befund der Pathologie an, ob eine Überempfindlichkeit der Glanz besteht.“
Nach kurzem Blick und ziehen der gröbsten Fäden, das Resultat: „Es ist alles in Ordnung, Sie haben keine Überempfindlichkeit und die Durchblutung sieht auch sehr gut aus, das war das einzige Risiko, da wir die Klitoris komplett neu platzieren mussten. Der Bereich ist noch etwas verhärtet und geschwollen, so dass ich noch etwas warten würde. Ich bin zu 100% davon überzeugt, dass alles gut wird.“ Wieder warten, mir schossen die Tränen in die Augen und das erste Mal musste ich im Behandlungsraum hemmungslos heulen. „Warum heulen Sie nun?“ „Wissen Sie, jede TS, mit der ich gesprochen habe nach Ihrer OP, erzählte mir von ihren ersten Orgasmen und ich habe einfach Angst, dass ich NIE einen bekommen werde“ „Sie werden noch viele Orgasmen bekommen, ich gebe Ihnen meine Handynummer und wir sprechen in einigen Tagen nochmals und Sie werden sehen, das wird. Die Heilung dauert nur noch etwas.“ Ich machte im Anschluss nun noch einen Termin für in zwei Wochen und fuhr anschließend ins Büro. Im Auto machte ich mir nun Gedanken, ob ich nicht doch etwas falsch mache. Gibt es eigentlich eine Bedienungsanleitung für „Muschis“. Nein, natürlich nicht, aber es gibt ja Google und so googlelte ich: Klitoris stimulieren
Es gibt einiges interessantes dazu im Netz. Vor allem aber fand ich nachfolgenden Dialog in einem Forum:


Klitorisschmerzen 25.10.08 17:49
Hallo,
hab da ein Problem... und wollte mal fragen ob mir dabei jemand weiter helfen kann..... Mal vorweg, ich bin mit einer Frau zusammen. Sie ist beim Intimkontakt immer sehr vorsichtig und zärtlich aber wenn sie mich an der Klitoris berührt tut mir das höllisch weh.. sie kann mich da gar nicht erregen oder so..
Und ich finde das irgendwie komisch, weil ich halt so gehört habe.. das doch eigentlich so ziemlich alle Frauen.. da so erregbar sind.. und auch durch stimulieren der Klitoris auch einen Orgasmus bekommen.... Bei mir geht das überhaupt nicht... Bekomme dann sofort stechende Schmerzen. Meine Freundin umgeht diese Stelle auch.. aber mich würde es eben interessieren ob da etwas nicht stimmen könnte.. und was man da machen kann. ??? Auch wenn ich mich selbst dort berühre tut es so weh.... Habe ich aber schon mh... immer^^ nur jetzt, da ich eben auch Sexuell aktiv bin, fällt es mir eben besonders auf..
Ein Pilz oder so kann es eigentlich auch nicht sein, da es ja auch nicht juckt... geschwollen ist auch nix... tut einfach nur sehr weh bei jeder noch so kleinsten Berührung! Mein Problem ist halt.. das ich sehr ungern zu einer Frauenärztin gehe... ich habe totale Angst davor..
Weil ich in meiner Kindheit schlechte Erfahrungen gemacht habe....meine Freundin ist die einzige, die ich an mich dran lassen kann...daher gehe ich nur in äußersten Notfällen zum Frauenarzt....
Würde mich sehr über eine Antwort freuen würde eben ein gang zum Frauenarzt gern vermeiden...
Danke schon mal im Voraus...
Liebe Grüße,
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Hallo!
Also ich habe das gleiche. Auch meine Klitoris tut ziemlich weh wenn man sie direkt berührt. Mein Partner oder auch ich selber umgehen einfach die direkte Berührung. Einfach daneben streicheln, drüber oder drunter etc....
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Hallo,
wir umgehen diese Stelle auch... ist auch dann immer total schön. Finde es halt auch schade, weil meine Freundin mich dann auch nicht oral befriedigen kann..
Sie würde das nämlich gerne machen. Weißt du denn woran es bei dir liegt?
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Woran das liegt weiß ich nicht genau. Aber es befinden sich dort ja sehr viele Nerven und ich denke das manche Menschen das halt als recht schmerzhaft empfinden wenn man diese Nerven direkt stimuliert....... LG
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Deine Freundin kann dich doch trotzdem oral befriedigen, sie darf deine Klitoris mit der Zunge halt nicht direkt stimulieren
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Ja stimmt naja.. hoffe zumindest mal, das es kein Grund ist zu nem Arzt zu gehen.
Finde es halt schade nicht auch mal in den Genuss zu kommen durch die Stimulation der Klitoris einen Orgasmus bekommen zu können.
komme nur vaginal...was aber nicht schlecht ist^^
Meine Freundin berührt mich meistens dann mit der Zunge außerhalb der Klitoris.. erregt mich auch sehr.. aber für mehr reicht es nicht..
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Also ich glaube jede Frau ist ziemlich empfindlich an der Klitoris und ich denke, dass es jeder Frau nicht angenehm ist, wenn man die Klitoris direkt anfasst.....
Bei mir ist es genauso.. Trotzdem bekomme ich einen Orgasmus, wenn man lange genug "neben" der Klitoris stimuliert..
Direkte Klitorisberührungen tun mir auch weh :-/
Hast du denn keine Klitorisvorhaut? Also die Haut, die da drüber liegt?
Wenn man da drauf leckt und fummelt, dann ist die Klitoris ja noch durch die Haut geschützt und es tut nicht mehr weh :-)
Aber bei manchen ist sie nicht so ausgeprägt, diese Haut...
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Bei meiner Freundin ist es so, das sie es sehr erregend findet wenn ich die Klitoris direkt anfasse.. oder eben mit der flachen hand reibe.....
Bei mir ist selbst das schwer.. tut auch ein kleines stücken neben der Klitoris weh... merke halt, das der ganze bereich da drum herum sehr empfindlich ist....
Kann es denn auch daran liegen, das die Klitoris bei mir ein klitze kleines bisschen unter der Vorhaut herausschaut?
Meine Freundin hat auch das letzte mal geguckt.. und meinte, das es so aussieht als wäre da ein riss oder so..ich selbst hab mit dem spiegel nix gesehen...
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Doch, habe eine Klitorisvorhaut... glaube auch, das diese relativ dick ist... nur vielleicht ein bisschen zu kurz... tut aber auch auf der Vorhaut weh..
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Du solltest eine creme benutzen die besonders hautfreundlich ist. ich kann dir da baktolan protect empfehlen. Vielleicht ist es dann besser. aber ist schon ein komisches Problem.
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Ich kann’s mal ausprobieren... meine Freundin würde mich ja lieber zu einem Frauenarzt schleppen... aber solang das nicht weh tut wenn es nicht berührt wird... versuch ich das zu vermeiden....
Werde nach dieser creme in der Apotheke fragen .
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So eine Art Vorhautverengung, kann es auch bei Frauen geben. Das kann aber nur, der Arzt feststellen.
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Nächste Aufgabe für mich, etwas was ich schon viel früher hätte tun sollen. Mich etwas mehr mit dem weiblichen Geschlecht auseinander setzen. Wahrscheinlich war es auch ein Nachteil, dass ich mich in meinen vier Beziehungen mit Frauen nur sehr wenig mit der weiblichen Sexualität/Anatomie auseinandergesetzt hatte. Ich beließ es meist nur auf den reinen Koitus…

Haariges Ereignis

Am 28.Mai hatte ich eine haarige Situation zu meistern. Mittlerweile trug ich meine Perücke bald zwei Jahre und habe Vor- aber auch Nachteile über diese Art der Haare erfahren müssen. Der größte Vorteil bei diesem Modell ist sicher das Aussehen und die Bequemlichkeit, da man jeden Morgen, wenn man frisch aus dem Bett stieg seine Haare in einem perfekten Zustand auf dem Frisiertisch stehen sah.
Der große Nachteil war aber auch, dass, obwohl sie teilweise mit Kleber fixiert wurden, ich mich nicht sicher fühlte. Ich hatte oft Angst, wenn ein Windstoß kam oder ich mal ein Oberteil über den Kopf zog, das ich plötzlich ohne Haare dastand. Zudem kam auch das extreme Schwitzen gerade in den Sommermonaten. Was mich aber nun dazu bewegte, es mit einem fest sitzendem Haarteil zu versuchen war das Gefühl welches ich immer wieder empfand, wenn ich die Haare morgens auf meinen Kopf klebte.
Es war immer noch ein Gefühl des Verkleidens, dass ich mit den Anfängen meines Frauseins verband.
Nun sollte ich Haare bekommen, die mit meinen wenigen eigenen verbunden wurden und ich Tag und nachts tragen würde. Ich war ähnlich nervös wie vor meiner ersten GaOP, da mir die Haare sehr wichtig sind und mir noch nicht richtig vorstellen konnte, wie man meine lichten Stellen und einige Haare in etwas Ansehnliches verwandeln könnte. Der Friseur hatte im Vorfeld die Haare bestellt und ich sollte mich auf eine 3-4-stündige Prozedur einrichten (es wurden dann schließlich 6). Zuerst wurden meine wenigen Haare gefärbt und dann ging es ans verknüpfen. Ich lies den Spiegel verdecken, da ich mich doch überraschen lassen wollte. Gegen 20:15 war es dann soweit. Ich schaute auf das Spiegelbild einer Frau mit etwas dünnerem aber absolut natürlich wirkendem Haar. Es dauerte dann einige Tage, bis ich mich nun daran gewöhnen sollte, da die vorherige Perücke schon erheblich voller aussah, doch das neue Gefühl, wenn ich morgens in den Spiegel schaue, macht alles wett. Nun gut ich muss etwas mehr Zeit morgens einplanen und das Frisieren fällt mir auch nicht eben leicht, merke aber, dass es von Tag zu Tag einfacher geht und nun merke ich das Haarteil gar nicht mehr. Bisher habe ich auch nur Komplimente dafür erhalten, da es nun absolut natürlich aussieht. Und so profan es sich auch anhören mag: Ich liebe es, dass ich nun die Haare auch mal hinter die Ohren machen kann oder auch einen Zopf, wenn es zu heiß wird.

FFS

An demselben Abend besuchte ich noch einen Vortag von Dr. Bart van de Ven über FFS (Facial Feminization Surgery - nähere Infos gerne über mich oder HIER), oder wollte ihn besuchen. Ich kam nach meiner Mamutsitzung gut zwei Stunden zu spät und hatte aber trotzdem noch die Möglichkeit eines Einzelgesprächs.

Er war mit seiner Assistentin/Partnerin in der Lili Marlene in Dortmund und beide schauten sich einige Minuten mein Gesicht hat. Danach besprachen sie kurz, was man daran "feminisieren" könne.

Es hörte sich alles sehr verlockend an und ich hatte an diesem Abend auch zwei Frauen gesehen, wo das Ergebnis durchaus gelungen war, doch hatte ich im Moment nicht eben mal 10000 € übrig, aber was viel wichtiger war, ich habe im Moment einfach keine Lust auf OPs bzw. Krankenhäuser. Da meine Zahnbehandlung ebenfalls für dieses Jahr noch geplant war und ich bei der letzten Lottoziehung wieder keinen Jackpot gewonnen hatte, packte ich das Angebot erstmal in meinen "to do-Ordner" und befasste mich mit wichtigeren Dingen.

Urlaub I

Am Dienstag begann meine erste Urlaubsreise mit meinem Freund. Wir hatten uns für eine fünftägige Reise in den Schwarzwald entschieden. Wir wollten aus verschiedenen Gründen nicht fliegen. Im Vorfeld hatten wir uns unzählige Hotels angeschaut, letztendlich viel unsere Wahl auf das Dorint in Freiburg. Ein Hotel, nahe einer Stadt, trotzdem mitten in der Natur, mit Wellness und (lt. Internet) hervorragender Küche. Ich wusste natürlich nicht was ich mitnehmen sollte, da die Wettervorhersage nicht die beste war und so packte ich für 4 Nächte das ein, was man"n" früher für 3 Wochen mitgenommen hätte. Alleine vier Paar Schuhe mussten es sein, trotzdem hatte ich natürlich nicht die richtigen dabei, und auch so hatte ich nie etwas anzuziehen.
Nun gut, wir frühstückten erst einmal in Ruhe, und fuhren am 31.05. gegen 10:00 in strömenden Regen Richtung Süden. Wir kamen gut durch und trafen am frühen Nachmittag im Hotel ein. Das Zimmer war sehr geschmackvoll eingerichtet, auch wenn es etwas größer hätte sein dürfen.
Wir stellten nur kurz die Koffer ab und wollten uns noch ein wenig Freiburg anschauen. 7 km bis zur Innenstadt, für die wir dann fast eine Stunde brauchten. Einerseits fuhren wir schon seit geraumer Zeit auf Reserve und meine Freund tankt nie auf der Autobahn. Lt. Bordcomputer reichte der Sprit ja auch noch für 20 km als wir im Hotel ankamen. Als wir dann wieder losfuhren reichte der Sprit dann nur noch für 10 km und an der nächsten Ecke für 6 km, so fuhren wir direkt wieder von der kurzen Stadtautobahn runter und suchten eine Tankstelle. Wir fanden dann auch eine und wir sparten insgesamt ca. 4 Euro, die wir nun ja komplett verprassen wollten :-)
Weiter ging es Richtung Innenstadt. Irgendwie schienen noch einige Leute die Idee gehabt zu haben etwas bummeln zu gehen, da die Zufahrtsstraßen brechend voll waren und es ging nur im Schneckentempo vorwärts. Wenigstens fanden wir direkt den Parkhinweis für ein Parkhaus Altstadt, welches wir aufsuchen wollten. Gerade aus, links, rechts sehr gut ausgeschildert und auf einmal... war es weg. Kein Hinweis mehr auf das Parkhaus Altstadt.
Wir stellten erst 3 Tage später fest, dass der Hinweis Parkhaus Altstadt nur ein Hinweis auf die "Parkzone Altstadt" war und diese Zone aus mehreren Parkhäuser bestand.
Mittlerweile war es Kuchenzeit und wir beschlossen ein nettes Cafe aufzusuchen. Da wird es ja sicherlich etwas Schönes auf der Hauptgeschäftsstraße geben. Leider nicht wirklich, ok dann einfach mal schnell in einem Geschäft „Eingeborene“ fragen, die werden schon was wissen. Erst im dritten Laden bekamen wir dann einen Tipp von einem Cafe in einer Nebenstraße. Mittlerweile hatte es stärker angefangen zu regnen und so musste ich nicht nur auf die „Freiburger Bächlein“ (sind kleine Kanäle, die überall fließen) aufpassen, sondern auch auf diverse Wasserpfützen. So aber nun ins warme, die Kuchenauswahl sah vielversprechend aus, die Begrüßung der beiden Zwillingsschwester leider weniger. Manchen Leuten sieht man einfach an, wie sehr ihnen die Arbeit Spaß macht. Aber wir wollten ja nur Kuchen essen und der war gut. Mittlerweile war es schon 17:00 Uhr und machten uns auf den Rückweg zum Hotel. Ich musste ja noch duschen und vor allem meine Haare machen. Dadurch dass die Haare nun fest am Kopf waren, musste ich das Styling wieder etwas neu lernen.
Um 19:00 ging es zu unserem ersten 5-Gang-Menü.
Wir wollten uns in unserem ersten gemeinsamen Urlaub richtig bedienen lassen, daher ist das Abendessen für uns als Menü sehr wichtig. Gar nicht so einfach, da mittlerweile viele 4-5 Sterne Häuser teilweise auf Buffet umgestiegen sind. Den Tisch hatten wir uns bereits bei unserer Ankunft ausgesucht. Ein Blick auf unsere Menükarte bestätigte unsere Hotelauswahl und ich war froh, dass ich in den letzten 3 Wochen knapp vier Kilo abgenommen hatte. Im Urlaub möchte ich keinen Salat essen, außer vielleicht als zweiten Gang. Mein Schatz suchte den passenden Wein zu unserem Essen aus.
Wir verbrachten jeden Abend so 2-3 Stunden an unserem Tisch und ließen unsere Gaumen verwöhnen. Jeden Abend kam der Chefkoch und erkundigte sich ob es geschmeckt habe und jedes Mal waren wir von dem Essen begeistert. Selbst an unserem letzten Abend, als Grillbuffet auf dem Plan stand, entschieden wir uns für ein individuelles Menü. Ich habe gelernt, dass man ein gutes Essen über mehrere Stunden genießen kann und weiß nun auch, dass man bei guter Küche jeden Tag wieder ein Kilo zunehmen kann. Aber ich bereue nichts.

Fotos Urlaub Freiburg

Urlaub II

Am Mittwoch war dann Wellness angesagt. Ich hatte das Haus vorgeschlagen, da es auch über eigenen Wellnessbreich mit Anschluss an einem Thermalbad mit Saunalandschaft hatte.

Gegen 09:00 gingen wir zum Frühstück. Ich hatte ein kleines „Schwarzwälderkirschtörtchen und eine Kerze in 3-Form“ auf den Tisch gestellt, da wir heute unser 3-Jähriges feierten. Nach dem Essen, kam dann die erste Überraschung:“ Die Saunabenutzung kostet pro Person 8 € extra“ Naja egal, es war ja für mich der erste Schwimmbadbesuch nach meinem Brustaufbau im letzten Jahr und ich hatte ja noch eine weitere Überraschung für meinen Schatz. Im Schwimmbad angekommen mussten wir leider feststellen, dass trotz der durchgeführten Renovierungsarbeiten das Bad den Charme der Achtziger hatte und nicht mehr so zeitgemäß war. Ich genoss es trotzdem sehr, das erste Mal im Bikini ins Schwimmbad zu gehen und auch meine langen Haare blieben da, wo sie hingehörten. Wir alberten ein wenig herum und hier konnte er mich sogar auf seinen Armen hochheben.

Danach ging es in den Saunabereich und der war wirklich schön. Der Außenbereich mit den zahlreichen Trockensaunen gefiel uns sehr gut und so genossen wir die Zeit bis zum frühen Nachmittag. Ich bin sehr stolz auf meinen weiblichen Körper, auch wenn ich seid der OP gut 10kg zugelegt hatte. Dann ging es zu meiner zweiten Überraschung an diesem Tag. Ich hatte eine Paarmassage gebucht. 1 Stunde verwöhnen lassen. Wir wurden freundlich empfangen und die beiden Masseure (eine Frau und ein Mann) waren auch sehr nett, doch der Raum in dem die beiden Liegen standen lies nicht gerade entspannendes Feeling aufkommen, da er viel zu eng war. Die Massage war trotzdem gut und im Anschluss bekamen wir noch eine Flasche Champagner mit Obst aufs Zimmer gebracht.

Dann schnell unter die Dusche und chic gemacht, denn unser nächstes Menü wartete schon. Da ich an diesem Tag recht erschöpft war, sparte ich mir die letzte geplante Überraschung für einen anderen Abend auf.

Am Donnerstag stand der Bodensee auf dem Plan. Wir starteten nach dem Frühstück Richtung Süden. Leider hatte mein Freund noch keine Gelegenheit gefunden sich komplett mit seinem Navi vertraut zu machen oder es wieder vergessen ( er hatte den Wagen ja auch erst einige Monate und Männer lesen ja auch keine Bedienungsanleitung) und so wollte uns der Bordcomputer nach Zürich führen, da das wohl die schnellste Verbindung war. Wir wollten uns aber die Mautgebühren sparen und so fuhren wir kurz vor der Grenze von der Autobahn runter und er kaufte eine Karte. Ja die braucht man natürlich, wofür sind Frauen auf dem Beifahrersitz sonst gut…

Nun gut, nachdem ich mich auf dem Plan zu Recht gefunden hatte, merkte ich, dass wir uns auf einer Bundesstraße befanden die parallel zur Schweizer Grenze verlief. Wir fuhren nun Richtung Rheinfall Schaffhausen, den wir ursprünglich (falls noch Zeit war) auf dem Rückweg besuchen wollten. Kurze Zeit später fand ich dann auch im Navigationssystem eine Option, die die Streckenführung mit Autobahnen zuließ aber Straßen, die Mautgebühren kosten, ausschließt. Kurze Stadtrundfahrt durch Schaffhausen, weil wir auf eine bestimmte Seite (Schloss Laufen) wollten und schon waren wir nach über 2 Stunden angekommen (auf dem Rückweg vom Bodensee brauchten wir nur 1:45 mit Navi). Es war aber wohl Schicksal, da die Rheinfälle sich in jedem Fall lohnen. Und auch die von Jos gewählte Rheinseite ist sehr gut, da man dort direkt an den Fällen vorbeigehen kann.

An der deutschen Grenze wurden wir dann auch als Einzige raus gewunken. Ein großer BMW aus den Niederlanden schien dann doch zu verdächtig:“ Haben Sie mehr als 20.000 Euro dabei?“ fragte man uns. „Nein“, „Fahren sie mal rechts ran“ und schon wurde der Wagen ein wenig untersucht. Kurze Zeit später durften wir aber weiterfahren und es ging nun zum Bodensee. Ich hatte von meiner Mutter den Tipp bekommen, dass ich die Insel Mainau besuchen sollte. Gesagt, getan… Ich fand zwar einige Bepflanzungen sehr schön und auch der Kuchen im Schlosscafe war sehr lecker, doch es ist schon sehr „Tourimäßig“. Sicherlich lag es auch an dem Feiertag, doch noch mal muss ich da nicht hin.

Alles in Allem war es aber ein sehr schöner Tag. Der Freitag war dann schon unser letzter Urlaubstag und es standen eine Weinbesichtigung und die Schauinsland-Seilbahn auf dem Programm. Klappte aber auch nicht, da es keinen Platz mehr für eine Besichtigung gab und die Seilbahn auf Grund des Wetters nicht fuhr. Spontan entschlossen wir uns Fahrräder zu mieten und erkundigten die Umgebung. Das gemütliche Radeln, entpuppte sich aber für mich als „ich fahr mal hinter dem fliegenden Holländer her“. Ich hörte nur immer:“ Ich fahre doch schon so langsam“ Nach kurzer Erfrischung fuhren wir dann noch einmal nach Freiburg, um uns die Altstadt ein wenig genauer anzusehen. Clevererweise zog ich Schuhe an, an denen der Absatz textilbezogen war. Freiburg hat fast komplett Kopfsteinpflaster und dementsprechend sahen meine Schuhe nach kurzer Zeit aus. Die Altstadt ist aber wirklich sehenswert, viele kleine Geschäfte und Gaststätten.

Nachdem wir dann unser letztes 5-Gänge-Menü hinter uns gebracht hatten ging es „brav J“ ins Bettchen, wo meine 3te-Überraschung auf meinen Freund wartete. Am Samstagmorgen hieß es dann schon wieder Kofferpacken, unser erster gemeinsamer Urlaub ging zu Ende. Auf der Rückfahrt hatten wir dann noch eine heftigere Auseinandersetzung, doch diese konnte den durchaus gelungenen Aufenthalt in Freiburg nicht trüben. Unsere Urlaubsinteressen waren dieselben und wir hatten es uns wirklich gut gehen lassen.

Es sind jetzt schon wieder 3 Wochen vergangen und der Abschied, als Jos mich am 06.Juni Richtung Niederlande verließ war wie immer sehr schmerzhaft für mich. Der Urlaub scheint ewig her zu sein und unser beider alltägliches Leben hat uns wieder. In den Momenten, wo ich über unser Zusammensein schreibe, wird mir doch sehr bewusst wie sehr ich eine Sache vermisse, aber trotzdem freu ich mich schon jetzt auf den Urlaub 2012

Meine Anfänge

Am Wochenende beschäftige ich mich mal wieder mit meinem alten Tagebuch. Nachdem ich mich ja schon bei den ersten Sätzen ein wenig über meine damaligen Gedanken gewundert hatte, stelle ich fest, dass mein damaliges Empfinden nur noch wenig mit dem heutigen gemeinsam hat. Die folgenden Zeilen beziehen sich ausschließlich auf meine Trans-Entwicklung. Die Beziehung zu meinem Vater und die damit verbundene transsexuelle Entwicklung wurden mir erst viele Jahre später bewusst. Hier nun also die „Anfänge“ bis zu meinem ersten Date (O-Ton ca. 1991):

Meine Kindheit. An meine Vorschulzeit habe ich überhaupt keine Erinnerungen mehr und so fang ich mit der wohl viel spannenderen Grundschulzeit an. Ich wurde mit 5 Jahren in die Rothebusch Grundschule eingeschult. Leider etwas früh, wie sich später zeigen sollte. Vielleicht haben meine Eltern auf Grund meiner strebsamen Einstellung in weiser Voraussicht gehandelt. Da ich in der Klasse am Anfang immer das Nesthäkchen war, wirkte sich das auch auf das Verhältnis zu meinen Klassenkameraden aus. Ich wurde leider nie so akzeptiert wie ich wirklich war (was sich in den nächsten Jahrzehnten auch nicht seh viel ändern sollte). So war ich schnell ein Einzelgänger, der von den anderen Schülern gemieden wurde und zusätzlich dank meiner hervorragend ausgebildeten Segelohren ins Lächerliche gezogen wurde. Ich lernte damit zu leben.

Es fällt mir eigentlich nur ein Kindheitserlebnis ein, welches indirekt mit meinem heutigem Transvestismus (*ich glaubte zu diesem Zeitpunkt noch, dass es ein Fetischismus war) zu tun hat. Ich muss ungefähr 10 Jahre alt gewesen sein, als ich mit meinem damalig besten Freund meine erste Nylonstrumpfhose anzog. Wir waren bei ihm zu Hause spielen und ich zog aus Scherz eine Strumpfhose seiner Mutter an. Dieses Gefühl, was ich damals spürte, sollte mich Jahre verfolgen.

Hier gibt es einen großen Sprung. Ich war mittlerweile 15 Jahre und lernte meine große Jugendliebe kennen. Kurze Zeit später kamen wir zusammen. Bei unseren sexuellen Kontakten sollte sie immer ihre Strumpfhose behalten, da ich diesen Stoff auf der Haut so erregend fand und es gab auch Momente als ich diese heimlich anzog. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich mir allerdings nicht sehr viel dabei. Erst nachdem unsere Beziehung zu Ende war, ich war nun volljährig, fing ich an mir auch Sachen für mich zu kaufen. Ich kann mich nicht mehr an den Beweggrund erinnern. Ich denke es war einfach eine Möglichkeit immer wieder aus meiner männlichen Welt zu fliehen, da ich dort sehr unzufrieden war.

Meine Kindheit lag hinter mir, ich begann eine Ausbildung und zog in meine erste eigene Wohnung auf der Mülheimer Straße (Nähe Marktstraße).

Mein Erfolg bei Frauen war nicht sehr groß. Ich war nicht hässlich, doch meistens war ich sowieso zu schüchtern ein Mädchen anzusprechen. Es verging kaum eine Woche, in der ich mich nicht in irgendein Mädchen verliebt hatte, doch leider immer erfolglos. So fing ich schließlich an, mir meine eigene Frau zu sein. Es war nicht einfach, den Mut aufzubringen in ein Kaufhaus zu gehen und dort Sachen zu kaufen, ganz davon abgesehen, dass ich kaum Geld hatte. So stahl ich zuerst Sachen aus der Waschküche oder vergriff mich an der Altkleidersammlung. Nach und nach hatte ich so einige brauchbaren Sachen zusammen und konnte mich endlich in meiner Wohnung komplett als Frau bewegen. Mit einem ausgestopften BH und einer Flasche Haarspray gelang es mir, einigermaßen wie eine Frau auszusehen. Ich wollte aber immer mehr, fasste meinen Mut zusammen und entschloss mich das erste Mal Schminke, Lippenstift und was man sonst so braucht zu kaufen. Und was soll ich sagen, es hat gar nicht weh getan. Sicherlich schaute die eine oder andere Verkäuferin etwas komisch, aber man muss nur selbstsicher auftreten, dann klappt das schon.

Ich hatte also meine ersten Einkäufe getätigt und merkte auch hier, was für ein Spaß das machte. So fing ich an wenigstens einmal pro Woche Sachen für mein weibliches Ego zu kaufen. Ob es Strumpfhosen, BHs, Röcke, Blusen oder sonst was waren, ich genoss es einfach. Es war aufregend, wenn ich nach Hause kam und endlich meinen neuen BH oder Rock anprobieren konnte. Ich fand es wäre mal an der Zeit, den Weg endlich nach draußen zu wagen. Es fehlte allerdings noch etwas Wichtiges, „eine Perücke“.

Wie sollte ich daran kommen. Ich konnte ja schlecht in einen Laden gehen und sagen: „Hallo, ich hätte gerne eine Damenperücke für mich“. Nein dazu hatte ich dann doch nicht den Mut. Ich bin bestimmt zwanzigmal vor einem Perückenfachgeschäft auf und abgegangen, bis mir eine einigermaßen glaubwürdige Idee kam. Ich ging also rein und gab mich als Mitglied einer Hobbytheatergruppe aus, die wenig Geld zur Verfügung hatte und bat um eine kleine Unterstützung für die Kunst und was passierte? Sie hatten es geschluckt, so schien mir wenigstens. Ich sollte ein paar Tage später noch einmal vorbeischauen und bekam dann einen großen Sack mit Haarteilen und Perücken. Es waren keine Echthaarteile und nicht die modischsten Schnitte, doch für einen ersten Outdoorversuch musste es reichen. Zwei Jahre waren mittlerweile seid meinem ersten Einkauf vergangen und so war es im Sommer 1986, dass ich meine ersten Schritte als Frau vor die Haustür setzten wollte.

Ich kann mich noch sehr gut an den Tag erinnern. Es war ein Samstag, denn da hatte ich immer genügend Zeit mich auf meine Verwandlung vorzubereiten. So zog ich an diesem Tag einen knielangen Rock, schwarze Strumpfhose, ein weiße Bluse, meine neu erworbene Perücke und ein paar flachere Pumps an. Ich war sehr aufgeregt und so trank ich zuerst einmal eine Flasche Rotwein, damit mich der Mut nicht verließ. Immer wieder hörte ich an meiner Wohnungstür (ich wohnte damals in einem Appartementhaus mit 8 Parteien), ob ich es wagen konnte. Ich wusste, dass man mich erkennen würde und so wartete ich bis 22:30, als ich es wagte. Ich nahm meine Handtasche und öffnete die Wohnungstür. Es war ein erregendes Gefühl, welches mir eiskalt den Rücken runter lief. Zwei Stockwerke tiefer war ich an der Haustür und zog mir meine Pumps wieder an, die ich oben ausgezogen hatte, damit es kein verräterisches Klackern im Hausflur gab.

Ich wohnte an einer befahrenen Straße, doch es war mittlerweile dunkel und ich öffnete die Haustür ohne zu Zögern. Es war ein schönes Gefühl als der Wind über meine bestrumpften Beine wehte und ich das erste Mal den Bürgersteig als Frau betrat. Dieser erste Spaziergang ging dann gerade mal 10 Minuten, da ich doch sehr große Angst hatte erwischt zu werden. Aber ich hatte es geschafft, ich war draußen.

Ab diesem Abend ging ich immer häufiger im Dunkeln auf die Straße und die Ausgänge dauerten immer länger. So verging einige Zeit, in der ich das Frau sein alleine genoss und ich auch zufrieden damit war. Mich erregte es, wenn Männer mir nachschauten und hinterher pfiffen. Keiner merkte aus der Entfernung die Illusion.

Ich zog immer häufiger extra kurze Röcke an, da ich sehr stolz auf meine Beine war und merkte, dass diese den Männern gefielen. Es gab aber auch hin und wieder unangenehmere Situationen, doch auch die hatten ihren Reiz. Ich erinnere mich daran, dass ich eines Nachts durch die komplette Innenstadt von einem schwarzen Opel Kadett verfolgt wurde. Ich musste mich teilweise verstecken, doch genoss ich dieses Spielchen auch, da ich wusste, dass mich dieser Fahrer anmachen wollte und genau das schmeichelte mir sehr. Dann kam aber die Zeit, als mir das auch nicht mehr reichte, ich hatte meine Möglichkeiten erschöpft und überlegte ernsthaft das erste Mal Hormone zu nehmen, um weiblicher zu wirken.

Ich hatte kurz vorher London besucht und dort eine Anzeige in einer Tageszeitung gesehen „Die perfekte Verwandlung von Mann zu Frau“. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt nichts von Geschäften, die sich speziell mit „Transformation“ beschäftigten. Ich forderte also diesen Katalog an und wenig später sah ich, was es alles für Tricks gab, was man alles machen konnte (sollte), um möglichst perfekt zu wirken. Einige Wochen später kaufte ich dort eine Creme, die den Haarwuchs stoppen sollte und Feminisierungstabletten, die mich fraulicher machen sollten. Gesundheitliche Risiken schob ich beiseite und ich weiß bis heute nicht, was ich da so zu mir genommen habe. Das einzige was aber etwas taugte, waren die ersten Silikonbrüste die ich mir ebenfalls zulegte. Für DM 1.000,-- konnte man das aber auch erwarten (heute gibt’s dieselben Teile für 80 € bei ebay und die Firma, die mir und anderen Transgenders sie damals verkauft hat, besitzt wahrscheinlich eine Villa auf den Seychellen). All das andere Zeug was man so bekam, ist wohl eher Humbug. Einige Monate später bestellte ich mir auch noch einen sogenannten „Hipster“, der den Po weiblicher machen sollte. Was ich bekam war eine Miederhose mit eingenähten Schulterpolstern, die mich ca. 250,-- DM kostete. Na ja aus der Erfahrung wird man klug.

So jetzt hatte ich erstmals nicht nur einen ausgestopften BH, sondern ein wenig mehr das Gefühl echte Brüste zu haben. Da diese Silikonbrüste auch auf die eigene Haut geklebt werden konnten und man somit auch ohne BH eine Bluse tragen konnte, war es schon ein sehr realistisches Gefühl. Der Aufwand den man dafür betreiben musste genoss ich allerdings nur am Wochenende, da die Brüste enthaart werden mussten und für das Entfernen der Klebereste am Körper, gingen schon einige Stunden drauf.

Ich fing in dieser Zeit auch an Kontakte zu suchen. Doch wo sollte ich Gleichgesinnte finden, das Internet war noch in den Kinderschuhen. Ich hatte ja die Erfahrung gemacht, dass Männer mich durch aus reizvoll fanden und so inserierte och in der Happy Weekend, ein schmuddeliges Sexkontaktmagazin, was es heute wohl noch gibt.

Erstaunlicherweise bekam ich an die hundert Antworten und alle wollten das Eine, na ihr wisst schon. Es war zwar sehr zeitaufwändig mit dem schreiben, es war aber auch sehr aufregend jeden Tag einige Briefe zu erhalten und zu hören, wie begehrenswert die Männer einen fanden. Sie gaben mir das Gefühl eine normale Frau zu sein. Viele Männer schickten mir Bilder (Nacktaufnahmen – Ganzkörper oder von ihrem besten Freund) und zwei sogar etwas Geld, damit ich sie bevorzugen würde. Zu diesem Zeitpunkt reichte es mir noch die Männer per Brief aufzugeilen und mir die Illusion hinzugeben eine Frau zu sein. So schrieb ich oftmals hin und her und nach kurzer Zeit schlief der Kontakt dann doch ein. Bisher hatte ich somit noch keine Gelegenheit gehabt mich als Frau mit jemand live zu treffen. Auch das wurde dann langweilig und ich war bereit für den nächsten Schritt.

In einem Sexshop entdeckte ich dann eine Szenezeitschrift (Trans***) und da gab es dann sehr viele TVs, die auch Kontakte suchten und ich beschloss dort Mitglied zu werden (sollte ein Fehler gewesen sein, wie sich später rausstellte). Nachdem ich also meine Anmeldung mit Foto nach Frankfurt schickte bekam ich schon kurze Zeit später einen Anruf der Redaktion. Ich war doch etwas erstaunt, begrüßte man dort jedes Mitglied persönlich? Wie sich dann herausstellte sollte ich „Girl des Monats“ werden. Ich fühlte mich sehr geschmeichelt und nach kurzem Zögern sagte ich zu, der Termin war für das übernächste Wochenende vorgesehen und ich war schon sehr aufgeregt, da ich mich ja noch nie anderen bewusst als Frau gezeigt hatte. Ich fuhr also am Samstagmorgen nach Offenbach (dort wohnte die Herausgeberin) und fand das Haus relativ schnell. Nervös klingelte ich an der Tür und wurde von einer sehr hübschen brasilianischen Transsexuellen empfangen. Sie machte mit mir anschließend einen Rundgang durchs Haus und zeigte mir mein Zimmer. Der Fotograf würde erst in zwei Stunden kommen und so hatte ich genügend Zeit mich umzuziehen und zu stylen. Frisch rasiert und geschminkt schlüpfte ich in meine aktuellen Lieblingsklamotten, was aber nicht ganz der Geschmack der Hausherrin war.

Im Wohnzimmer ließ ich mir noch von der TS die Nägel lackieren und wartete gespannt auf die Herrin des Hauses. Es war sehr nett hier und die Mädels (mittlerweile begab sich noch eine zweite nicht minder attraktive TS zu uns) kümmerten sich wirklich rührend um mich. Wie ich mittlerweile herausgefunden hatte, befanden sich nicht nur die Redaktion und ein Transgendershop hier, sondern wurden auch zahlungswillige Gäste für Liebesdienste empfangen. Das war wohl das erste und letzte Mal, dass ich zwei Tage umsonst im Puff verbringen durfte.

Nach einer weiteren Stunde hatte die Chefin dann Zeit für mich und führte mich in einen anderen Raum. Sie gab mir andere Klamotten, höhere Schuhe, eine andere Perücke und sehr viel Goldschmuck. Eigentlich nicht mein Geschmack, egal dachte ich, ich hätte mich an diesem Tag wahrscheinlich auch komplett nackt fotografieren lassen. Das Shooting machte dann der Ehemann und war nicht gerade aufregend und die Bilder gehören sicherlich zu den Schlechtesten, die es von mir gibt. Trotzdem hatte ich es auf ein Cover eines Magazins geschafft, wer kann das schon von sich behaupten. Das Honorar dafür war auch eher mager (ein Warengutschein über DM 200,--). Da die TV-Sachen damals noch sehr teuer waren, bekam ich gerade mal eine zweitklassige Perücke für das Geld. Naja was solls, es war jedenfalls eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte und so fuhr ich am Sonntagnachmittag zufrieden wieder heimwärts.

Ab diesem Tag genoss ich es endlich meine Freizeit völlig ungezwungen als Frau zu leben. Ich zog mich so oft es ging um und ich wollte völlige Perfektion erreichen. Immer wieder wurde mir aber bewusst, dass ich körperlich ein Mann war. Ich wollte aber sehen wie die Männer auf mich reagierten und zwar live. In dieser Zeit entschloss ich mich zu verschiedenen Anzeigen, auch über mehrere Wochen und auch in der Transaktuell. Ich inserierte in der BI/TV/TS-Rubrik und wies auch auf meine devote Ader hin. Ich wusste zur damaligen Zeit nicht, ob es viele Männer gibt, die das dritte Geschlecht mögen und schon gar nicht, ob die „nur“ TS haben wollten. Ich hatte ja schließlich noch nicht einmal richtige Titten. Meine negative Einstellung wurde widerlegt, auch hier erhielt ich gut 20-30 Briefe und es waren auch sehr leckere Männer dabei. So schrieb ich dann auch die ersten Antwortbriefe. Es erregte mich immer mehr, dass ich Männern als Frau gefiel. Ich genoss die Vorstellung und ich träumte davon wie ich mit einem Mann sexuell zusammen war.

Ich weiß heute gar nicht mehr genau, wie es beim ersten Treffen war, doch gut war es nicht, das weiß ich noch. Es war draußen und ich war sehr nervös. Zumal beim ersten Livedate, welches ich gut 2 Wochen da vor vereinbart hatte, der Arsch auch nicht erschienen war. Wird es dieses mal besser sein dachte ich mir den ganzen Tag über. Waren es womöglich alles nur Spinner, die auf meine Anzeige geantwortet hatten. Aber dieses Mal kam der Mann. Wir trafen uns auf einem großen Parkplatz in der Nähe einer Autobahnabfahrt. Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Die Aufregung blieb auch bei allen weiteren Dates. So sah mich der erste Mann live und ich gefiel ihm. Es war leider für ihn auch das erste Mal und so ging es über eine nette Unterhaltung nicht hinaus. Wir verabredeten uns zwar für einen späteren Zeitpunkt, gemeldet haben wir uns dann aber beide nicht mehr. Ich denke aber es war gut, den ersten Schritt gemacht zu haben. Da die sehr kalte Jahreszeit vor der Tür stand, wollte ich mich in den nächsten Monaten bei mir zu Hause treffen. Es war zwar ein gewisses Risiko dabei, doch was die Männer, die mich besuchten, nicht wussten, ich hatte immer ein Messer unter einem Kissen versteckt. Man weiß ja nie was für ein Verrückter da so kommt und so hatte ich ein einigermaßen sicheres Gefühl.

Die nächsten Monate kam es dann leider zu keinem weiteren Treffen und so genoss ich meine neue Weiblichkeit in regelmäßigen Spaziergängen am späten Abend. Ich ging meist an stark befahrenen Straßen in recht kurzen Röcken entlang und genoss die Blicke der männlichen Autofahrer. Ich hatte zwar nach wie vor eine gewisse Angst „enttarnt“ zu werden, das wiederum erregte mich aber auch zugleich. Ich liebte das Spiel mit dem Feuer.


Soviel nun zu den Ereignissen, die mittlerweile über 10 Jahre zurück lagen. Vor ein paar Tagen sprach ich noch mit einer TV, die meinen Lebensweg schon damals begleitete und meine damals recht populäre Website (es gab noch kein travesta und ich hatte bis zu 1000 tägliche Besucher auf meiner Homepage) mit einer AkteXY-Transgenderseite verglich. Darüber muss ich heute schmunzeln, genauso wie über die ersten Fotos, die es von mir so als Frau gibt.

Ein schöner Tag

Gestern war ein sehr schöner Tag. Mein Freund kam nach einem Monat wieder zu mir und ich freute mich schon sehr. Gegen 13 Uhr kam er in Oberhausen an und (vor lauter Aufregung wahrscheinlich) viel er erst einmal die Treppe rauf. Da wir bei den letzten Treffen etwas uneins waren, was mein Kleidungsstil betraf, war ich noch nicht fertig angezogen, so dass er mit aussuchen konnte.
Ich hatte wohlweißlich 2 kg in den letzten Wochen abgenommen, da ich ja wusste was nun folgte. Als erstes fuhren wir zu unserem Lieblingscafe (Cafe Bauer auf der Markstraße), die wirklich sehr guten Kuchen haben. Danach ging es ins Centro, wo ich ein sehr schönes neues Oberteil erstand. Letztendlich freute ich mich aber danach auf ein kleines Schäferstündchen. Ich hatte bei meiner letzten Untersuchung Dr. Rossi gefragt, ob Intimverkehr schon möglich sei. Nachdem es die letzten Male ja bereits mehrmals eingerissen war, legte ich besonderen Wert auf sein medizinisches Urteil. „Ja, kein Problem“, sagte er mir am 06.Juni. Nun waren ja weitere vier Wochen vergangen, also was sollte da schon schief gehen. Nach wie vor bin ich nicht wirklich entspannt, doch klappte „das Fallenlassen“ schon viel besser und freute mich darauf, wenn er in mich eindringen würde. Etwas zwackte es schon, aber es war ja auch alles noch „neu“ und eng und nach und nach entspannte ich mich mehr. Ich kann nicht sagen, dass es sehr schön war, doch es war ein Anfang und vor allem ein Fortschritt. Ich heulte nicht dabei und Schmerzen hatte ich nicht wirklich. Am Ende brannte es dann doch etwas mehr und ich sagte: “Sag jetzt nicht, dass es blutet“. „Doch!“ Mist, dachte ich und kämpfte mit einem Heulanfall, der mich überfallen wollte.
Manchmal wünsche ich mir dann, dass mein Schatz mich in die Arme nehmen würde. Doch er ist ein sehr rational denkender Mensch und wusste, was passieren würde, wenn er das getan hätte und so ließ er es. Wir machten im Wohnzimmer noch zwei Fotos der doch recht tiefen Wunde, die ich abends dann an Dr. Rossi weiterleitete. Am kommenden Montag würde ich somit mal wieder die Ambulanz im Uniklinikum aufsuchen.
Danach ging es ins Restaurant Luft, wo ich gefühlte 1,5kg zu mir nahm. Nach der Matjesvorspeise, gab es Nudeln mit Gambas und als „kleinen“ Nachtisch ein Eis mit heißen Kirschen. Wenigstens lenkte mich das Essen von negativen Gedanken ab und erst als mein Freund wieder Richtung Niederlande fuhr, ließ ich meinen Tränen freien Lauf. Nicht schon wieder …

Mensch



Ich habe mich in den letzten Wochen immer wieder mit der Namensgebung meiner „Spezies“ beschäftigt. Vielleicht gelingt es mir ja, wenn ich es aufschreibe, für mich dieses Thema ein wenig klarer zu sehen. Geboren wurde ich als Junge, ich lernte meine Rolle zu leben und ab einem gewissen Zeitpunkt wusste ich, dass ich nicht so war wie die anderen Jungen. Zu diesem Zeitpunkt war mir aber nicht wirklich klar was ich bin. Die ersten Begegnungen waren ja mit den Strumpfhosen der Mutter meines damaligen besten Freundes, da war ich dann wohl DWT (Damenwäscheträger). Als ich anfing mich zu verwandeln, dachte ich das ich ein Transvestit mit fetischistischer Neigung bin. Ich glaubte das Ganze, sei eine rein sexuelle Sache und sah noch nicht die Zusammenhänge. Nun wurde es komplizierter, ich kam mit unheimlich vielen Begriffen in Kontakt (Transgender, Shemale, Dragqueen, TV, Intersexuell, Transsexuell). Ich las sehr viel über das für mich neue Thema und schließlich beschloss ich mal transsexuell „auszuprobieren“

Ich fuhr damals (ca. 1990) jeden Tag an einer Praxis vorbei, die ich den nächsten Tage mal besuchen wollte, um mich aufklären zu lassen. Ich fasste meinen Mut zusammen und wurde freundlich von der Sprechstundenhilfe begrüßt. Ich:“ Guten Morgen, ich glaube ich bin transsexuell, können sie mir da weiterhelfen?“ Sie grinste und sagte:“ Tut mir leid, aber ich denke, da sind sie hier falsch wir sind keine Psychotherapeuten sonder eine Physiotherapiepraxis“ Ich lief rot an und verließ fluchtartig die Praxis. Lief ja ganz gut dachte ich.

Nun gut, ich suchte dann nach einem Psychotherapeuten bei mir in der Umgebung und landete dann bei jemanden in der Nähe der Gruga in Essen (weiß den Namen nicht mehr). Die Gespräche mit ihm liefen nicht sehr gut und er redete fast die ganze Zeit nur über ab normales Verhalten und nach 3 Sitzungen brach ich die Therapie ab. Also doch Transvestit? Danach kamen Jahren sexueller Exzesse und ich war wiederum fest von einem Fetisch überzeugt (zu dieser Zeit muss ich aber noch später etwas sagen). 2004 versuchte ich nochmals ein Beendigung meines Verlangens. Ich schmiss mal wieder alles weg und beschloss Mann zu sein und zu leben. Fast hätte ich panisch die nächstbeste Frau geheiratet, ein Haus gekauft in der Hoffnung dadurch etwas ändern zu können. Ich bin doch als männliches Wesen geboren also musste ich es ja auch sein und akzeptieren. Gelang mir 4 Jahre einigermaßen. Danach kaufte ich mal wieder alles neu und lernte meinen Freund kennen. Dieser sah mich von Anfang an als Frau, die ich immer sein wollte, auch ohne Schminke und Perücke. Kurze Zeit später begann ich eine neue Therapie, da ich endlich für mich herausfinden wollte, was ich bin. Diese lief viel besser und nachdem ich es zuließ, stand dann fest, ich bin transsexuell. Mein Selbstbewusstsein wuchs mit jedem Ausritt in die Öffentlichkeit, mit jedem Outing. Ich brauchte nun nicht mehr den Sex, um mich als Frau zu fühlen, um als Frau von meinem Gegenüber wahrgenommen zu werden, deswegen war ich nun Transident wie ich lernte. Dann ging alles sehr schnell, Hormone, VÄ, GaOP und wieder machte ich mir Gedanken was ich bin. Jetzt bin ich Frau, nicht durch die OP, nicht durch die Hormone oder die VÄ sondern, weil ich es bin, weil ich es zulasse, weil ich es wohl immer schon war.

Ich verstehe Aussagen von (Trans)Frauen, die sich dagegen wehren, dass sie mal Jungen oder Männer waren, und darauf bestehen, dass sie immer Frau waren, die nur in einem männlichem Körper geboren wurden. Ich glaube aber, dass man erst einmal zu dieser Erkenntnis kommen muss. Bei dem einen dauert es länger, bei dem anderen ist es schon in frühester Kindheit klar. Doch was gar nicht geht ist die Intoleranz untereinander, das ins Lächerliche ziehen von Menschen, die sich einfach noch nicht sicher sind und vielleicht keinen haben, der ihnen hilft, der für sie da ist. Und jeder, der den Weg gegangen ist, weiß wie wichtig und wie viel einfacher auch das Umfeld unsere Schritte machen kann. Also helft einander und haltet euch nicht an Namen oder Definitionen auf

 

Eurer DWT

Euer Transvestit

Eure Transsexuelle

Eure Transidente

Eure Frau

Euer Mensch

Einjähriges

Heute habe ich einjähriges. Vor einem Jahr genau lag ich im OP-Saal der Uni-Klinik Essen und mein Penis wurde wie ein Hotdogbrötchen aufgeschnitten, geschält und daraus meine Neovagina geformt. Ich kann mich noch sehr gut erinnern wie ich in der Schleuse geheult habe, wie sehr ich mich darauf gefreut habe, obwohl ich keine allzu großen Erwartungen an das Ergebnis hatte.
Eigentlich wollte ich dieses Ereignis heute groß feiern, nicht mit vielen Leuten, vielleicht sogar alleine mit einem leckerem Gläschen auf dem Klinikgelände. Verschiedene Gründe bremsen mich aber doch etwas. Da wäre als erstes natürlich, dass mein Schatzkästchen immer noch nicht so ist wie es sein sollte. Bei meinem letzten Besuch bei Dr. Rossi erfuhr ich, dass das Aufreißen am Scheideneingang leider noch ab und an passieren könnte und gar nicht so schlecht ist, da dadurch die Haut in dem Bereich etwas weiter wird und mehr Platz vorhanden ist (hatte vor einigen Tag auch eine kleine Reportage bei Youtube entdeckt, wo er sagte, dass der Scheideneingang oftmals zu eng für den Verkehr ist). Dann bin ich an diesem Tag auch alleine, mein Freund kann nicht bei mir sein.
Ich hatte schon versucht an dem Tag meiner Vornamensänderung ein wenig zu feiern, doch wer, außer uns „speziellen“ Frauen, kann diesen Ereignisse schon etwas Besonderes abgewinnen.
Ich lese für mich noch einmal den Blog von 2010 und all die wunderschönen Gefühle steigen wieder in mir hoch. Manchmal werde ich gefragt, ob ich diesen Schritt bereue und dann huscht mir wieder ein Lächeln über meine Lippen, weil sich mir diese Frage nie wirklich gestellt hat. Klar hatte ich viele und auch starke Schmerzen und meine Verwandlung ist immer noch nicht zu Ende (z.B. Epilation, Stimme). Für mich ist es immer noch eines der größten Ereignisse am Tag, wenn ich aufstehe und nackt vor meinem Schlafzimmerspiegel stehe und mich dort eine sehr müde FRAU anschaut.

Ich mache mich fertig, nehme ein Piccolo und fahre Richtung Essen

164 Gefällt mir

4 Vier Monate bin ich nun bei facebook und ich habe 164 GEFÄLLT MIR. 164 Menschen, die mir gesagt haben, dass ihnen das gefällt, was ich hier mache. Nun frage ich mich in den letzten Tagen: Was mache ich hier eigentlich? Ich schaue mittlerweile zig mal am Tag rein, um zu sehen, ob sich etwas Neues getan hat, um zu sehen, ob ich nicht irgend etwas Besonderes posten kann, was meine „Leser“ interessieren könnte. Ich stelle fest, dass viele Dinge dadurch auf der Strecke bleiben, sie bleiben einfach liegen. (z.B. meine Arbeit oder auch manche Freunde, …)

Das werde ich nun ändern. Es gibt mir sehr viel, wenn ich merke, dass es anderen Menschen hilft, was ich hier und auch auf anderen Plattformen mache. Doch ich muss und werde mich auch wieder meinem „normalen“ Leben widmen. Ich weiß mittlerweile, dass dies eine große Hürde für mich ist, ich bin bequem geworden. Die letzten Monate haben sich fast nur um mich gedreht und sicherlich genoss ich diesen Zustand. Doch für mein Umfeld ist es normal geworden, klar mit einer „besonderen“ Vergangenheit, aber eben normal. Meine Verwandlung ist nun fast komplett, ich habe viel erreicht in den letzten beiden Jahren, es wird Zeit sich wieder den alltäglichen Sachen, die jeden Mensch beschäftigen, zu widmen.

Ich habe ja noch Träume, die ich mir erfüllen möchte. Ein Traum ist es ein Buch zu schreiben und je nachdem wo Du diese Zeilen gerade liest, so ist dieser Traum auch in Erfüllung gegangen (oder er muss nun mal in Angriff genommen werden).

An den letzten beiden Tagen war mein Freund bei mir und es waren zwei sehr tolle Tage. Wir haben sehr viel gelacht und beim Sex ist es nur noch minimal eingerissen, was für mich ja schon ein Riesenschritt ist. Es ist manchmal schon sehr komisch das Leben. Wenn man wunderschöne Tage erlebt, merkt man leider auch, wie weh es tun kann, wenn diese vorbei sind und man wieder alleine ins Bett gehen muss. Als mein Freund am Montagabend Richtung Westen fuhr, saß ich sehr lange am Fenster und schaute ihm hinterher.

Dann hat sich noch eine Castingagentur im Auftrag von rtl2 per Mail gemeldet. Ich kannte Kai (von der Agentur) schon von meinem damaligen Casting (im Juli 2009) für die Sendung Extrem Schön. Sie suchen dieses Mal „Probanden“ für eine Doku über Transsexualität. Der damalige Versuch eine Transidente Person 1-2 Monate für ihre Verwandlung zu begleiten, schien Akt acta gelegt worden zu sein. Ich vermutete dass sie nun auch festgestellt hatten, dass das mal nicht so eben ging und so suchten sie nun mehrere Personen, die sich in den verschiedenen Stadien ihrer Verwandlung befanden. Wir telefonierten kurz und, da mir die Öffentlichkeitsarbeit am Herzen lag, bekundete ich mein Interesse. Ich brachte ihn auf den neusten Stand. Erst als wir auf meinen Freund zu sprechen kamen und ich ihm sagte, dass dieser nach wie vor nicht für eine Reportage im Fernsehen zur Verfügung stand, sagte er mir, dass das wohl ein Ausschlusskriterium sei, da sie Menschen suchten wo auch der Partner etwas vor der Kamera sagen würde. Warum er das nicht am Anfang unseres Gespräches sagte oder bereits in seiner Email, blieb mir ein Rätsel.

Aus Watte?

Ich war früher schon Nah am Wasser gebaut und habe oftmals geheult, meistens, wenn keiner zusah. Doch heute war ein Tag, da hätte ich wohl einen Eimer voll gemacht. Es fing damit an, dass Ivana, eine Freundin mich in einer Kleinigkeit etwas kritisierte, die mir bis dahin nicht wirklich bewusst war. Ich musste etwas nachfragen und bohren, da es ihr sichtlich unangenehm war. Die ganze Nacht musste ich darüber nachdenken und so fragte ich direkt am nächsten Morgen Simone, eine gemeinsame Freundin, ob sie das auch so sehe. „Ja, ich wollte Dich auch schon mal darauf ansprechen - Rumms“ Ok, schien etwas dran zu sein, ich musste es erst einmal sacken lassen. Als ich dann mit meinem Freund telefonierte fragte ich ihn ebenfalls nach seiner Meinung. Auch er gab der „Gegenseite“ teilweise Recht. Ok, werde es ändern, nichts passiert, versuchte ich zu denken. Ist ja gut, dass sie es gesagt haben, auch wenn ich es lieber direkt gehabt hätte. Als ich dann kurze Zeit später mit meiner besten Freundin Michaela sprach, stand wohl noch auf meiner Stirn: „Heute sagen wir mal Petra was uns nicht an ihr gefällt“ Auch das war eigentlich nichts Schlimmes, Nebensächlichkeiten wie der Sack Reis in China.

Aber irgendetwas machte diese Kritik mit mir. Ich fühlte mich auf einmal persönlich angegriffen, ja zu tiefst verletzt und egal mit wem ich heute sprach, egal was mein Gegenüber heute mir sagte, innerhalb von 10 Sekunden spürte ich den „Trauerklos“ der mir die Kehle zuschnürte und mir das Wasser in die Augen schießen lies. Ich bin mittlerweile viel harmoniebedürftiger geworden, aber trotzdem stehe ich viel stärker zu mir und meinem Wesen. Auf der anderen Seite fange ich aber viel schneller an zu weinen.

Warum ist das so? Und wie ist die weibliche Bezeichnung von Weich-Ei?

Ein anderes Telefonat brachte mich dann aber wieder zum Lachen. Es war eine Transfrau, die vor Ihrem Outing auf der Arbeit steht. Da ich das ebenfalls per Brief an meine Kundinnen gemacht hatte, sprachen wir darüber, wie es am sinnvollsten ist. Wir kannten uns virtuell und flüchtig von einer „Transgender-Internetplattform“ wo ich den Benutzernamen Petra_OB habe. Ich fragte Sie am Ende des Telefonats woher sie kommt: „Hamburg, und Du aus Bayern oder?“ „Nein, NRW, wie kommst Du denn auf Bayern“ „Naja, OB für Oberbayern“ – Ich fand es sehr lustig

Weihnachten

Als ich meinen Freund vor gut drei Jahren kennengelernt hatte wog ich 108,5 kg. Zu meinen „besten“ Zeiten wog ich 78kg, wobei man mich zu der Zeit für Aidskrank gehalten hat und es ist auch schon zwanzig Jahre her. Es gibt Menschen, die können essen und essen und haben trotzdem einen BMI von 20. Es gibt aber auch Menschen, die haben wie ich wahrscheinlich diese unbekannte Drüsenkrankheit, die dafür sorgt, dass man schon zunimmt, wenn man in einem Kilometer Entfernung am Puddingteilchen vorbeiläuft.

Im ersten Jahr mit Jos schaffte ich es durch eiserne Disziplin mein Gewicht um 20kg nach unten zu bewegen. Ich war sehr stolz, zumal es mir nicht so schwer viel. Ich ernährte mich sehr viel von Smoothies und fuhr ab und an Fahrrad. Im April 2009 begann dann meine HRT (Hormontherapie) und im Juli 2010 folgte dann meine 1te GaOP. Leider führte das und mein wieder normales Essverhalten dazu, dass ich wieder 10kg zunahm und Ende 2010 mich dann bei knapp 99 kg ein pegelte. Nach der OP viel Fahrradfahren erst einmal aus und auch die Smoothies brachten keine wirklichen Erfolge mehr. Die Hormone sorgten immer mehr dafür, dass sich das Fett an den Klassischen Problemzonen ablagerte und so bekam ich zwar immer mehr Taille aber die Hosen und Röcke zwicken leider auch immer mehr.

Nun kam aber ja Weihnachten und da möchte man ja nicht mit einer Diät anfangen. Danach folgte der 01.Januar und da fangen ja alle an, die dann nicht durchhalten, also auch nichts für mich. Ach ja, und im Mai wollte ich ja auch mit meinem Schatz in Urlaub fahren, fange ich am besten danach an. Ich packte zu Hause eine Kiste mit Sachen, die zu eng geworden war und stellte mit Erschrecken fest: „Ich habe nichts anzuziehen!“ Gibt’s was Schlimmeres?

Es war also mittlerweile Juni 2011, ich wog nach wie vor knappe 99kg, trug mehr Hosen als Röcke, 3te GaOP hinter mir, daher kein Fahrradfahren möglich und fühlte mich endlich zu dick, so dass ich dachte: STOPP. Ich will diese komischen Fettbakterien bekämpfen und meldete mich im Fitnessclub an. Michaela freute das, so dass ich schon mal Freitag Abend fest für einen Body-Style-Stepp-Triple-Irgendetwas-Kurs eingeplant war. Dann noch zweimal die Woche Gewichte und Cardio und ich sollte doch das Problem irgendwie in Griff kriegen. Nun das ist nur eineinhalb Monate her. Gestern sagte mir eine Geschäftsfrau von gegenüber, die ich so ein halbes Jahr nicht mehr gesehen hatte: „Du bist aber mittlerweile viel femininer geworden, aber die weiblichen Problemzonen sind auch größer geworden, sehe ich an deinem Hinterteil“ Auch nett, so etwas verschönt doch einen den Tag. Mittwoch war ich dann noch mit meinem Freund im Haus der Geschichte in Bonn (übrigens ein MUSS für jeden Deutschen oder der sich für unsere Geschichte interessiert). Ich hatte meine neue Liebling Chinohose an (aus rotem Glanzsatin mit leichtem Elastananteil). Als wir dort gegen 18:00 Uhr in einem Restaurant saßen und ich mal eben für kleine Mädchen musste, stellte ich mit Erschrecken am Waschspiegel fest, dass dort am Gesäß ein Riss war. Nun gut Shirt aus der Hose und man sah es nicht mehr. Darf aber nicht passieren, hatte die Hose ja gerade erst dreimal angehabt. Gestern ging ich damit dann direkt zu H&M. Die Verkäuferin war auch sehr nett:“ Nein, das darf nicht passieren, ist wahrscheinlich eine Montagshose, die wird reklamiert und Sie bekommen ihr Geld wieder“. Leider hatte sie das Modell nicht mehr und ich kaufte eine andere rote Chinohose. Ich probierte sie in 42 und 44 und entschied mich dann sicherheitshalber für die Größere.

Heute Morgen hatte ich sie dann das erste Mal an, als ich dann im Auto Platz nahm, war es dann doch etwas frisch auf meinem Ledersitz. Ich stieg nochmals aus, das darf doch echt nun nicht wahr sein. Wieder ein Riss, wieder an der Gesäßtasche. Gerade war ich dann wieder bei H&M, leider wieder bei derselben Verkäuferin von gestern. Ich hatte erst überlegt extra in eine andere Stadt zu fahren, um es dort umzutauschen, weil es mir schon sehr peinlich war.

Die Verkäuferin musste auch schmunzeln, rief dann aber gaaanz diskret quer durchs Geschäft: „Claudi, kannst Du mal bei der Frau gucken, die hat schon wieder ihre Hose hinten gerissen, wie gestern“ So nun wussten es alle, die sich zurzeit in der Damenabteilung befanden. Ich nahm mein Geld und verließ frustriert das Geschäft, ich weigerte mich das Modell noch eine Nummer größer zu nehmen. Muss ich halt mehr Sport machen. Allerdings, am Sonntag geht es für eine Woche an die Nordsee, da kann ich ja kein Sport machen und bald ist ja auch schon wieder Weihnachten ;-)

Muttergefühle

Vor gut einer Woche war als erstes eine Party von Simone. Sie war sehr schön und vor allem gefiel ich mir optisch mal wieder so richtig. Ansonsten war es einfach ein gelungener Abend, bis auf eine Kleinigkeit, die mich aus der Bahn geworfen hatte.
Als letzter Gast kam Ekrem, ein sehr guter Freund des Gastgebers Markus. Er wusste nichts von meiner Vergangenheit. Ein Umstand, den ich Markus sehr hoch anrechne, da ich es bisher gewohnt war, dass viele Freunde, ihre Bekannte auf Partys etc. „vorwarnten“
Nun gut, er begrüsste alle per Handschlag und fragte mich dann: „Und Du bist der, die …?“
Das hatte gessessen, meine Kinnlade viel runter und meine gute Laune ging runter in den Keller. Er merkte den Fauxpas dann doch noch und entschuldigte sich kurze Zeit später bei mir, doch wieder mal wünschte ich mir die Zeit herbei, wo kein Zweifel meines Gegenübers aufkommt, dass ich das bin was ich bin.

Am Sonntag Morgen fuhr ich dann Richtung Nordsee. Die kommende Woche würde ich mit Michaela und den Kindern (Nela und Lotta) verbringen. Die Wettervorhersage war zwar mehr wie schlecht, doch ich freute mich drauf. Wir hatten dann auch sehr viel Spaß. An einem Tag bastelten wir ein Kino in Lottas Schlafzimmer aus allen Matratzen die in dem Haus zu finden waren. Nela malte Kinokarten und ein Filmplakat und jedes der Kinder (die zwei Nachbarkinder kamen auch noch) bekam einen Becher mit Knabbereien. So erlebten wir einen kostengünstigen Nachmittag in unserem Kuschelkino. Als das Wetter mal schön war machten wir eine Wattwanderung, zwar nicht sooo spannend, aber muss man ja mal gemacht haben. Das Highlight für Nela war aber der Tag, an dem sie ihre ersten Ohrringe bekam. Sie hatte schon tags zuvor über starkes Herzklopfen und konnte kaum einschlafen. Um ihr zu zeigen, dass es nicht wehtut habe ich mir dann auch noch ein drittes Paar schießen lassen. Mittlerweile dreht sie den ganzen Tag ihre Stecker und immer schön in alle Richtungen und ihre antiseptische Lösung trägt sie auch stets bei sich. Beim Abschiedsessen erfanden wir noch eine witzige Sache, wie wir auf gaffende Menschen reagieren. Gegenüber saß ein Mädchen, was so gefühlte alle 10 Sekunden zu mir rüber schaute. Als es dann doch ein wenig viel wurde, machte Nela und ich die Fliegerbrille (eine Art Fernglas mit den Händen) und gafften zurück. Beide Kinder hatten sichtlich Spaß daran und Lotta ging grinsend und hüpfend beim Verlassen so an dem Mädchen vorbei. Am Sonntag ging es wieder nach Hause und der Abschied von Nela war für mich sehr emotional. Die letzten Tage waren für mich herrlich normal und ich genoss ihre Nähe sichtlich. Sie kam mit raus ans Auto, obwohl es in Strömen goss, gab mir einen Kuss und rannte dann hinter meinem Auto her und ich sah die ganze Rückfahrt ihr lachendes Gesicht in meinem Rückspiegel. Es gibt leider Träume, die ich mir wohl nie erfüllen kann, egal wie sehr ich mich anstrenge. So bin ich froh, dass Michaela so wundervolle Kinder hat.

Achterbahnfahren

Gestern wurde ich, als ich endlich meine Couch erreicht hatte, von Ivana angerufen. Ihr ging es in den letzten Wochen nicht so gut, besser sie erlebte die typische Achterbahnfahrt, die einem wiederfährt, wenn man einen neuen „Eventuellpartner“ kennenlernt. Da sie kein Auto hat und ihr Auserwählter in einer Gegend wohnt, die man per Bus/Bahn eher schlecht erreichen konnte, bot ich ihr an, sie kurzfristig dort hinzufahren. Sicherlich auch mit dem Hintergedanken ihn kurz kennenzulernen und mir ein Urteil zu erlauben, wenn ich ihr das nächste Mal Ratschläge gab. So kam es dann auch und ich begleitete sie in seine Wohnung. Er war sehr höflich und zuvorkommend und wir unterhielten uns nett. Aber auch ihm, wie schon letztens auf der Party, rutsche einmal ein kleines Wort raus. Ivana merkte es nicht und auch ich ging schweigend darüber hinweg. Erst als ich wieder zu Hause war, schrieb ich ihr kurz per SMS von seinem kleinem Missgeschick. Heute Morgen schrieb sie mir dann auch, dass er es gemerkt habe und es ihm und ihr leid tut. Ich schrieb daraufhin nachfolgende Email, die sehr gut mein Gefühlsleben in solchen Situationen wiedergibt:
Ich hoffe für Dich und eigentlich weiß ich es auch, dass Du gestern noch einen schönen Abend gehabt hast. Ich möchte diesen auch nicht mit meiner Laune verderben, doch habe ich mir angewöhnt, immer direkt etwas zu sagen, wenn mir etwas auf dem Herzen liegt.
Dass er gestern ER gesagt hat, kenne ich ja schon und ich bin nachwievor nicht so vermessen, dass ich denke, man merkt bei mir nichts. Manchmal lebe ich aber in einer Traumwelt und gerade wenn ich neue Menschen kennenlerne, wünschte ich mir so sehr, dass diese Kleinigkeiten (die nichts mit meiner Person zu tun haben, ich weiß) nicht passieren würden.
Ich fühle mich dann so hilflos und weiß nicht wie ich darauf reagieren soll. Heute Morgen habe ich das erste Mal den Gedanken: Wofür ich das alles bisher gemacht habe, wenn man doch sowieso, sobald ich den Mund aufmache, merkt wie meine Vergangenheit ist. Klar fühle ich mich wohler in meinem weiblichen Körper und ich würde alles noch einmal so machen. Doch dieses eine Wort „ER“ macht mich gerade wieder mal so unendlich traurig. Ich weiß, dass es nicht extra war und glaube Dir, dass es ihm leid tut. Nur zeigt es mir leider immer wieder, dass ich wohl nie das sein kann, egal wie viel Operationen ich hinter mich bringe, egal wie gut ich mich schminke, egal wie ich mich bewege. Ich werde nie eine ganz normale Frau sein können. Aber vielleicht ist das ja mein Weg, vielleicht muss ich einfach akzeptieren, dass das nun mal so ist. Vielleicht ist das der Grund, warum ich nicht stealth leben möchte, weil mir klar ist, dass ich das gar nicht kann

Nun sind wiederum einige Stunden vergangen und alles ist wieder gut. Nichts Neues also. Willkommen in der Achterbahn der Emotionen.

Noch mehr Probleme?

Wie fast jeder von uns muss auch ich etwas gegen meine Gesichtsbehaarung tun und habe daher im letzten Jahr (nach 7 selbstbezahlten Laserbehandlungen) mit der Nadelepilation angefangen. Zum Glück ist mein Bartwuchs nicht so schlimm wie bei manch Anderer. Aber auf Dauer ist die Fahrerei nach Solingen (120 km hin und zurück) lästig und kostet bei diesen Spritpreis auch sehr viel. Nun gut, muss ja gemacht werden und mittlerweile fahre ich auch nur noch einmal die Woche für 1-2 Stunden dort hin und hoffe im nächsten Jahr alle Haare los zu sein.
Nun begegnete mir heute ein anderes Problem. Ich ging gerade ins Fitnessstudio, um ein wenig zu trainieren und an einem Gerät juckte dauernd mein linkes Nasenloch. Mist dachte, wird da womöglich irgendetwas drin hängen, sieht ja nicht so schön aus, wenn da etwas raushängt. Und Frau möchte ja auch beim trainieren gut aussehen. Ich fand aber nichts. Nach 1,5 Stunden war ich fertig und schaute auf der Toilette in den Spiegel, da es wieder zu jucken anfing. Ist nur ein Haar, dachte ich und zog es raus.
Nun es ist fast 3cm lang, was für ein Nasenhaar doch sehr ungewöhnlich ist, finde ich. Ich überlege nun, ob die weiblichen Hormone nicht den Haarwuchs auf dem Kopf fördern sondern, dass ich dazu bestimmt bin mir in kürze vielleicht einen Zopf an der Nase zu knüpfen. Ich werde es beobachten. Sind Foliensträhnen in der Nase eigentlich auch möglich?

Zeitreise Teil II

Gestern befasste ich mich mal wieder mit meinen Anfängen und somit mit meinem alten Blog. Ich bin froh, dass ich ihn noch so im Netz gefunden hatte, wie ich ihn damals geschrieben habe, da mir das ein besseres Verständnis über die damalige Situation wiedergibt. Wie ging es also weiter, als ich mit den ersten nächtlichen Spaziergängen anfing:

Wenig später hatte ich jedoch eine depressive Phase. Ich war an einem ersten Scheidepunkt in meinem Dasein angekommen. Ich wollte immer mehr, aber irgendwie machte mich das doch sehr instabil. Hier einige Gedanken, die mir durch den Kopf gingen:

Gegenwart: Ich ertappe mich immer häufiger dabei wie ich Frauen anschaue, nicht weil ich sie attraktiv finde, sondern eher wie sie sich kleiden, sich bewegen. Ich sehe sie teilweise als Konkurrentinnen, ich habe Angst, was passiert mit mir?

Ich fahre ziellos durch die Straßen, durch die Bilder meiner Vergangenheit, fahre an meiner Kindheit vorbei und suche einen Halt der mich zurückholt aus dem Alptraum der Gegenwart. Es erscheint mir alles so unwirklich, ich nehme kaum etwas wahr. Die Stimmungswechsel kommen immer häufiger.

Ich sehe Frauen, die mir zulächeln und doch durch mich hindurch lächeln.

Ich betrachte die Menschen auf der Straße und suche verzweifelt nach Dingen, die mich von Ihnen unterscheidet.

Ich bin das erste Mal seid Wochen bei meinen Eltern, hatte ausnahmsweise meinen Schlüssel verloren. Ich traue mich nicht mehr ihnen in die Augen zu schauen. Ich denke wieder ernsthafter an Selbstmord. Wäre es nicht schön, nie wieder aufzuwachen, sich nicht mehr Gedanken machen zu müssen.

Ich frag mich wo ich bin und immer häufiger kommt die Frage, an der ich zu Grunde gehen könnte: WARUM?

Nach einer Stunde in meiner Vergangenheit kehre ich wieder zurück. Ich wünschte ich könnte schlafen und müsste nicht mehr aufwachen.

Was bin ich, wo führt die Zeit mich hin?

Ich bin alleine.

Urlaub von mir selbst. Ich beschloss eine Woche Urlaub zu machen. Ich wollte in Ruhe über alles nachdenken. Kurzerhand flog ich nach Lanzarote. Es war eine der Melancholischsten Zeiten, die ich je erlebte. Doch schon am Flughafen, wollte ich wieder heim, zu meinen geliebten Sachen, die ich zu Hause gelassen hatte. Ich wollte zurück zu meinem Traum. So besorgte ich mir dann auch noch kurzer Hand im Duty-free-Shop zwei Utensilien (Mascara und Lippenstift), die ich für mein Doppelleben brauchte. So hatte ich wenigstens die Möglichkeit, mich ein bisschen zu verwandeln. Der Bikini, den ich zu Hause schon in den Koffer gelegt hatte, gab mir auch hier in Spanien, die Sicherheit meine Neigung ausleben zu können. Wenn man völlig alleine in einem fremden Land ist, macht sich gerade so ein Mensch wie ich ständig Gedanken. So kam es als ich in der Empfangshalle saß, dass ich von einem Extrem ins Andere gerissen wurde. Ich sah dort ein Bild von einer wundervollen Frau auf einem Zigarettenautomat und wünschte mir, dass ich einmal so begehrenswert aussehen würde, so feminin und so erotisch. Im nächsten Moment, sah ich eine Familie mit einem kleinen Jungen an mir vorbeilaufen und ich wünschte mir nichts mehr, als ein normales Leben zu führen und vor allem einmal eigene Kinder haben zu dürfen. Leider bekam ich in den nächsten Tagen wieder häufiger Tötungsgedanken, da ich so nicht mehr weiterleben wollte. Ich schämte mich meiner Person und das Buch, das ich auf dem Hinflug gelesen hatte, trug einiges dazu bei. Es handelte von einem Mann, der dasselbe Schicksal erlitten hatte wie ich es momentan durchmachte. Es war seine Biographie, in der ich mich in vielen Stellen wiedererkannte. Jedoch hatte er eine Familie und auch drei Kinder und erst als er nicht mehr weiterleben wollte, machte er mit 37 Jahren den entschiedenen Schritt.

Nach dem Urlaub überlegte ich ob ich nicht transsexuell bin, war ich eine Frau in einem Männerkörper, ich musste mit jemanden darüber reden, musste meine Ängste loswerden, doch mir wurde meine Entscheidung abgenommen.

Aus heutiger Sicht kann ich nun sagen, dass sich jede Träne gelohnt hat und auch, wenn ich ab und an immer noch mit schwermütigen Gedanken durchs Leben gehe, so bin ich doch viel ausgeglichener als früher. Ich habe oftmals Mitgefühl mit Menschen, die sich noch in meiner damaligen Situation befinden und nicht weiter wissen und ich hoffe doch sehr, Ihnen mit meinen Zeilen, ein wenig Mut machen zu können.

Das nächste Mal geht es also weiter mit meinem „ersten“ Outing.

Suizid

In unserer „Szene“ hört man immer mal wieder von Transsexuellen, die sich das Leben genommen haben, von Menschen, die nicht die Kraft hatten, den Weg bzw. das weitere Leben so zu leben, dass es weiterhin für sie einen Sinn macht.

Sie wählen den Freitod. Dies hat oftmals scheinbar denselben Grund. Sie werden gemobbt, sind alleine, befinden sich im sozialen Abseits. Ist das wirklich so, ist dieser Weg, den wir gehen wirklich so schwer, dass es unvorstellbare Kraft kostet und wir ihn manchmal gar bereuen.

Ich möchte hierzu eine kleine Geschichte erzählen und auch, weil ich heute noch meinen alten Blog aufgearbeitet habe, beschäftigt mich das Thema umso mehr. Ich hatte vor einigen Wochen von dem Tod einer Transsexuellen gehört. Sie gehörte sogar zu meinen Facebookfreunden, mit denen ich nie ein Wort gewechselt hatte und wohl nur befreundet war, weil uns unsere transidente Vergangenheit verband. Von einer Seite auf facebook erfuhr ich von ihrem Suizid und dachte: „Wie schrecklich, wieder jemand der nach der OP in ein Loch fiel“ Ja, nach der GaOP fallen viele von uns in ein emotionales Loch, weil einen der Alltag wieder einholt. Es ist sicherlich gut, wenn man da mit beiden Beinen im Leben steht und auch von der OP nicht erwartet, dass sich danach alles ändert. Denn das tut es bei weitem nicht. Der Körper ist nun vollkommen, aber die alten Probleme kommen wieder.

Nun stellte ich auch einige Mutmaßungen über ihren gewählten Weg an und dieses Schicksal berührte mich sehr. Ich nahm Kontakt zu einer engeren Freundin von ihr auf und erfuhr heute, wie es zu diesem Schritt kam. Fakt ist, sie wurde sicherlich gemobbt und hatte auch keinerlei Kontakte mehr zu ihrer Familie. Fakt ist auch, dass ihr Weg kein einfacher war. Doch sie ist ihn zu Ende gegangen und die wirklich belastenden Dinge widerfahren uns zum Anfang unseres Weges. Sie hatte ihre Personenstandsänderung, ihre GaOP und war nun das, was sie sich immer gewünscht hatte: körperlich eine Frau.

Nach der OP kam für sie wieder die Sehnsucht nach Liebe, eine Liebe, die sie wohl nie erfahren hatte. Weder im Elternhaus, noch in ihren Beziehungen oder von ihren Kindern. Sie manövrierte sich in eine Welt, aus der sie nicht mehr heraus kam. Diese Problematik hat nichts mit ihrer Transsexualität zu tun. Der Tod von diesem Menschen tut mir unendlich leid, doch genauso habe ich Mitleid mit Menschen, die sie geliebt haben. Nicht so, wie sie es sich vielleicht gewünscht hätte, aber doch aufrichtig und so gilt mein ganzes Mitgefühl auch den Menschen, die sie mit ihrer Trauer alleine gelassen hat.

Als ich heute die Abschiedszeilen gelesen hatte, wovor mein engeres Umfeld mir sicherlich abgeraten hätte, passierte auch genau das, was diese befürchteten. Ich fing hoffnungslos an zu weinen. Ich finde es so schlimm die letzten Worten eines Menschen zu lesen, der nicht mehr auf dieser Welt ist. Aber wie schlimm muss sich der Mensch erst fühlen, an den diese Zeilen gerichtet sind. Ich habe selber oft über diesen Weg nachgedacht, aber ich bin nun davon überzeugt, dass der Gedanke, dass man jemanden unendlichen Schmerz zufügt, den man liebt, auch sehr heilend sein kann.

Mich hat dieses Ereignis sehr bewegt und es hat auch etwas mit mir gemacht. Ich habe begriffen, dass kein Schmerz so groß sein kann, dass ich dieses eine Leben, mit den vielen Glücksmomenten, die ich noch erleben werde, dafür aufgeben möchte.

Abschließend:

Ruhe in Frieden Katja

Und Du trägst keine Schuld Claudia

Outing in den Neunzigern

Heute waren mal nach einiger Zeit meine Schwester und meine Mutter bei mir zu Besuch. Wir machen diese Treffen in den letzten Monaten sehr regelmäßig, was mich sehr freut. Zu beiden habe ich einen vielen engeren Bezug als früher. Das liegt sicherlich auch an meinem Frausein, aber auch daran dass wir ohne meinen Vater wesentlich offener sprechen. Zu meinem Erzeuger, wie ich ihn nur noch nenne, habe ich ja seit ich als Frau lebe keinen Kontakt mehr, da er keine zweite Tochter hat.
Ich bin mittlerweile aber froh darüber, auch wenn ich einige Monate dazu brauchte dieses zu erkennen. Es ist eine Last abgefallen und ich kann auch so meine Vergangenheit viel besser verarbeiten. Das machen wir auch nun in unseren Dreiergesprächsrunden. So war auch heute nach dem Austausch einiger Neuigkeiten, die Vergangenheitsbewältigung ein Thema. Es ist sehr viel passiert und es waren auch schlimme Sachen dabei und wir alle haben diese irgendwo ganz tief vergraben, in der Hoffnung, dass wir diese Erlebnisse vergessen. Bei mir sind diese bei meiner Therapie wieder ans Tageslicht gekommen. Ich sprach in einer der Sitzungen über das Thema, konnte meine Emotionen aber nicht im Zaum halten und heulte damals nur hemmungslos.
Danach packte ich sie wieder ganz schnell weg. Bei den letzten Treffen mit meiner Schwester und Mutter war es nun so, als ob sie nicht über meine Kindheit sprachen. Ich kann und will nachwievor viele Dinge nicht wahr haben, die passiert waren. Ich entwickle aber auch einen abgrundtiefen Hass meinem Erzeuger gegenüber. Es ist aber auch schön zu sehen, wie sich diese beiden Frauen öffnen und einen Teil ihrer Gefühle offenbaren. Ich glaube, dass es Ihnen sehr gut tut und auch wenn es schmerzt, so sind diese Gespräche auch für mich wichtig. Zeit für mich ein wenig in die Vergangenheit zu reisen.
Ich hatte ja geschrieben, dass ich mit jemanden darüber reden musste:

Es war Mitte der Neunziger, das Internet befand sich ja noch in den Kinderschuhen. Ich hatte zwar mit AOL meine ersten weiblichen virtuelle Personen erschaffen, doch richtig viele Informationen gab es noch nicht. Meine Eltern hatten zum damaligen Zeitpunkt einen Schlüssel von meiner Wohnung und wie es der Zufall wollte, hat mein Vater das Tagebuch gesehen. Sicherlich war es nicht richtig, dass er es gelesen hat, doch war es vielleicht auch Schicksal. Neben dem Tagebuch lag auch der Schriftverkehr mit „Transaktuell“. Dies war ein Verein und Heft, was sich mit der Transsexualität befasste. Ich dachte Anfangs dort Hilfe zu finden. Kurz nachdem ich meine Mitgliedschaft und ein Abo abgeschlossen hatte, bewarb ich mich auch für den Titel „Girl des Monats“. Ich erhielt eine Einladung zum Fotoshooting nach Offenbach. Ich hatte zwar schon Outdoorerfahrung, doch so richtig traute ich mich Anfangs nicht. Es sollte ja auch mit Übernachtung sein. Kurze Zeit später nahm ich dann doch meinen ganzen Mut zusammen und fuhr in Richtung Süden. Dort angekommen wurde ich an der Tür eines sehr schicken Bungalows von einer südamerikanischen Schönheit empfangen. Sie führte mich ins Wohnzimmer und bot mir erst einmal etwas zu trinken an. Es kam noch eine weitere, dieses Mal war es eine üppige Blondine, hinzu und wir versuchten uns ein wenig zu unterhalten. Das war nicht so einfach, da sie wohl üblicherweise andere Dinge mit ihrem Mund machten, als die deutsche Sprache zu üben.
Die Gastgeberin ließ ein wenig auf sich warten und so lackierte man mir schon einmal meine künstlichen Nägel. Gegen Mittag kam sie dann und machte mit mir erst einmal einen Rundgang durch ihr Anwesen. Es gab einen extra Raum, wo der Shop und auch die Redaktion untergebracht waren und einige Zimmer, die mit Rotlicht ausgestattet waren. Eines davon wurde mir zugeteilt. Ich bekam einige schöne Sachen zum Anziehen und auch eine hellblonde Marilyn Monroe Perücke. Das Fotoshooting wurde dann im Garten vom Ehemann durchgeführt. Ich hatte an diesem Tag sehr viel Spaß, und würde in einer der nächsten Ausgaben das Titelbild zieren. Außerdem konnte ich ja sogar eine ganze Nacht umsonst im Puff verbringen. Aber was sicherlich auch sehr wichtig für mich war, meine ersten Transsexuellen Frauen, die ich kennenlernte, kamen aus dem Rotlichtmilieu und erfüllten alle Klischees, die ich einige Jahre später ebenfalls nacheiferte.
Zurück zu meinen Eltern. Ich verabredete mich fürs Wochenende, um in Ruhe über alles zu sprechen. Es war Montag und so hatte ich noch einige Tage Zeit mich auf das Gespräch vorzubereiten. Was sollte ich sagen? „Hallo, euer Sohn ist vielleicht bald eure Tochter“ Nein, ich musste mir vorher klar sein, was ich wollte.
Das Wochenende kam und was soll ich sagen: “Es war alles halb so wild. Ich hätte damals nie gedacht, dass meine Eltern so gelassen reagieren würden. Doch schließlich war es für sie das Wichtigste, das sie mir helfen konnten. Ich hatte damit gerechnet, dass sie mich verstoßen, dass sie mich vielleicht zu einem Arzt schicken wollten, aber es war im Nachhinein sehr einfach. Sicherlich musste ich Ihnen das eine oder andere etwas genauer erklären und die größte Sorge, die sie hatten war meine Arbeitsstelle. Sie hatten nicht Angst, dass sie auf einmal eine Tochter haben würden, nein, was würde ich ohne einen Job machen, wie würde mein Umfeld reagieren.
Nach dem das Gespräch so (scheinbar) gut gelaufen war, entschloss ich mich auch einigen guten Freunden von meinem „Doppelleben“ zu erzählen, zu mal ich in den letzten Monaten immer häufiger lügen musste. Da ich früher starke Probleme mit meiner Haut (Schuppenflechte) hatte, war ich allerdings um Ausreden nicht verlegen. (Nein, ich kann nicht schwimmen gehen, meine Haut verträgt das Chlorwasser nicht oder „Ja meine Haare habe ich durch die Bestrahlung verloren“. Da sich keiner richtig auskannte haben sie es geglaubt, was wussten sie schon von Psoriasis. Ich hatte zum Glück keinen Hautarzt als Freund. Als erstes erzählte ich es Dominik, ihn hatte ich ca. 7 Monate vorher auf einer Reise in Mexiko kennengelernt. Er ist ein sehr nachdenklicher Mensch und wir waren direkt auf einer Wellenlänge. Als ich ihn dann einige Wochen später in Würzburg besuchte (er studierte dort) und wir Abends mal wieder über Gott und die Welt sprachen, erzählte ich ihm von meinem „Problem“. Die Reaktion war auch hier nicht schlimm. Auch er wollte mir helfen, doch auch er konnte mit dem Thema nicht so recht viel anfangen. So erzählte ich nach und nach meinen Freunden von meinem Doppelleben und fast alle Reaktionen waren verständnisvoll. Die Männer hatten aber eher damit Probleme und einen „Freund“ habe ich dadurch auch verloren. Er vermutete, dass ich ihn wahrscheinlich nur in den A…. ficken wollte und lästerte sehr gerne hinter meinem Rücken. Er war die längste Zeit mein Freund. Alle anderen boten mir ihre Hilfe, eine wollte sogar unbedingt mit mir mal raus gehen, aber das wollte ich irgendwie nicht, noch nicht …

So das waren die ersten Outingerfahrungen, die ich vor gut 15 Jahren gemacht hatte. Es ist merkwürdig, wenn ich manche damaligen Reaktionen lese. Leider hat sich mein Erzeuger dann doch nicht so verständnisvoll gezeigt und viele damalige Menschen sind nun nicht mehr Teil meines Lebens. Das Zweitere verbinde ich aber nicht mit meiner Transsexualität, da es immer wieder Freunde gibt, die man nur eine gewisse Zeit begleitet, das ist nun mal so. Vielleicht rufe ich ja mal in den nächsten Tagen einige davon an, um zu schauen wie es ihnen so ergangen ist.

Hootchie Cootchie

Gestern war ich mal wieder aus. Seid langem mal eine Party ohne „transidenten“Hintergrund, wenn man von mir mal absah. Ich hatte vor einigen Wochen eine Einladung von einer Freundin für Ihren Junggesellinenabend erhalten. Die Organisation übernahm ihre beste Freundin und als ich ihre Pläne hörte, hatte ich anfangs keine rechte Lust mehr.

Ich hatte schon Probleme das passende Kleid für die Hochzeit am 07.10 zu finden und nun sollte die Abschiedsfeier vom Singledasein auf einer Hootchie Cootchie in Düsseldorf stattfinden. Zudem sollten wir komplett in Weiß kommen. Wie ich aus einem Lebensratgeber wusste, sollte man weiße Hosen bis zu einer Kleidergröße 34 tragen, alles andere sehe aus wie „Wurst in Pelle“ und ich überlegte ernsthaft schon mir eine Ausrede einfallen zu lassen.

Drei Tage vorher bestellte ich dann doch noch eine weiße Chino bei Zalando. Später entschied ich mich aber für einen weißen Jeansrock, da die Aussage aus dem Buch doch ein Fünkchen Wahrheit beinhaltete. Alles in Allem gefiel ich mir in meinem weißen Outfit und fuhr gegen 19:30 zur Freundin nach Hause. Von dort wollten wir eine Stunde später Richtung Düsseldorf starten.
Erst einmal ein Gläschen Sekt und schnell einige Fotos gemacht. Ich war die Einzige, die einen Rock anhatte. Bis auf ein Mädel, waren wir auch alle in weiß, was wirklich ein schönes Bild war. Auf die Houseparty freute ich mich eigentlich aber immer noch nicht, da ich auch ein wenig Angst davor hatte, dass man mich für einen Partygag halten könnte. Es gibt ja so Clubs auf denen DragQueens auftreten. Und auch, wenn ich sicherlich nicht so aussah, nahm ich mir vor, erst einmal nicht so viel zu sprechen. Der Weg vom Auto zur Location führte über einen spärlich beleuchteten Weg und es wurde langsam etwas kühl im Schritt. Sollte ich heute auch mal in den Genuss einer Blasenentzündung kommen. Ich hatte sicherheitshalber eine Strumpfhose eingepackt, falls es zu kalt würde..
Es war noch sehr leer, da die Party erst um 21:00 begonnen hatte und so aßen wir erst einmal eine Kleinigkeit. Das Essen war etwas spärlich und natürlich auch draußen. Dann ging es rein, rein ist etwas falsch, da auch dieser Raum nicht wirklich warm war, denn alle Türen und Fenster waren geöffnet und stehen musste man hier auch.

Kurze Zeit später gingen wir in einen weiteren Raum, der angenehm war, neben dem Loungecharakter wurden dort auch eher Discoklassiker gespielt. Mir wurde ja die Party als Houseparty angekündigt und die „UftaUfta-Musik“ ist nicht unbedingt meines. Der Abend wurde natürlich schön. Ich hatte zwar ein kurzes Tief, nachdem ich mal wieder durch meine Stimme, mein ansonsten sehr gutes Passing zerstörte, aber als die Mädels gegen 01:30 wieder nach Hause wollten, wäre ich noch gerne geblieben.
Vor allem, weil es herrlich normal war, und weil ich am Schluss auch noch getanzt habe und zwar auf Housemusik. Denn ich habe auch gelernt, dass das nicht nur UftaUfta ist.

Stealth

Als ich vor einigen Wochen das erste Mal von diesem STEALTH gelesen hatte, wusste ich gar nicht was damit gemeint war.

ok, dachte ich mir, verleugne ich nicht dann meine Vergangenheit, ist es nicht wichtiger etwas für die Öffentlichkeitsarbeit zu tun, damit dieses Thema eben nicht mehr so teilweise pervers in der Gesellschaft dargestellt wird.

Weiterhin fragte ich mich, wer das überhaupt kann so absolut stealth leben. Ich kenne vielleicht zwei Frauen, die unseren Weg gegangen sind, wo man das nicht auf Dauer merken würde, dass sie mal einen männlichen Körper hatten. Also machen sich die meisten doch etwas vor, oder?

Nun befinde ich mich mal wieder in einer anderen Phase meines Lebens. Meine GaOP ist über ein Jahr her, meine Freunde, Familie und Kunden haben mein neues Erscheinungsbild völlig akzeptiert und ich finde auch, dass ich ein gelungenes Passing habe. Neue Menschen, die mich kennenlernen sehen mich als Frau, als vielleicht eine sehr große Frau (bin 188 cm), aber eben als Frau.

99% meiner Zeit, die ich so lebe geht es mir sehr gut und mich stört es überhaupt nicht, wenn mich jemand auf meine Vergangenheit anspricht, ja ich bin sogar auch nachwievor stolz auf das was ich geschafft habe, aber es gibt auch Tage, da hapert er wohl ein wenig mit meiner Ausstrahlung, irgendetwas stimmt nicht an meinem Erscheinungsbild.

Gestern war mal wieder so eine Minisekunde. Ich ging zu meinem Auto und da liefen so drei Jugendliche mit Migrationshintergrund an mir vorbei. Ich weiß nicht ob sie mich noch von meinem Alltagstest her kannten oder mich irgend etwas anderes verraten hat. Aber als der eine dann mitten auf der belebten Einkaufsstraße laut rief: KUMMA, DA ISS GLAUBE ICH NE TRANSE
da habe ich mir nichts mehr gewünscht als STEALTH zu leben.

Das sind nur kurze Momente und ich könnte NIE den Kontakten zu meinen lieben Menschen abbrechen, um woanders neu anzufangen, aber ich kann sehr gut nachvollziehen, warum es Andere machen.

Kunstwerk

Vor einigen Tagen hatte Dagmar (eine Bekannte aus Berlin) auf facebook einen Aufruf gestartet, dass sie für einen Künstlerfreund aus New York eine interessante Person sucht, die ihn ein wenig durch Köln führen wollte und ihn ein bisschen die dortige vorhandenen Szene zeigt. Da ich nun etwas weiter weg wohne und auch mit der „Szene“ nicht sehr viel am Hut hatte, kümmerte ich mich nicht weiter darum. Einige Tage danach, fragte mich Dagmar nochmals persönlich, ob das nichts für mich sei. Ich sagte ihr meine Bedenken, aber er könnte sich gerne bei mir melden.

Der New Yorker, sein Name ist Anselm Skogstad, rief dann gestern bei mir an und wir hatten ein nettes Gespräch. Ich googlete seine website http://www.anselmskogstad.com/ und schaute mir dort einige Fotos an. Sehr künstlerisch, mir war aber nicht sehr klar, was er nun von mir wollte. Wir vereinbarten tags drauf ein Treffen bei mir auf der Arbeit, um mit mir ein Interview zu führen und auch einige Fotos von mir machen.

Irgendwie schmeichelte es mir ja auch, vor allem da er aus New York kommt. Hört sich ja auch anders an, als wenn mich jemand fragt der aus Oer-Erkenschwick kommt. Er kam mit dem Zug aus einem kleinen Örtchen Nahe Bonn. Gegen 16:00 rief er mich an, da er mein Reisebüro in der Mülheimer Innenstadt nicht fand. Ich holte ihn ab und wir waren uns von Anfang an sehr sympathisch. Nach ein wenig smalltalk baute er sein Equipment mir gegenüber auf dem Schreibtisch auf und mein erstes Interview konnte beginnen.

Er stellte allerlei Fragen über mein transidentes Leben und ich redete und redete. Es war sozusagen ein Kurzlebenslauf. Die zwei Stunden vergingen wie im Flug und danach fuhren wir noch zu mir nach Hause, wo er ein paar Fotos machen wollte. Ich erzählte ihm schon während des Interviews von meinem sehr persönlichen Tattoo und so entschlossen wir uns für dieses Motiv. Was ich auf dem kleinen Monitor der Kamera sehen konnte, sah sehr schön aus. Wir hatten nicht viel Zeit, da er um 19:27 den Zug von Oberhausen-Sterkrade nach Köln kriegen sollte, damit er am Abend noch einen Stammtisch dort besuchen konnte. Schnell noch ein gemeinsames Foto auf meinem Balkon und schon sprinteten wir wieder das Treppenhaus hinunter zum Auto.

Im Auto fragte er mich noch nach meiner Meinung zu dem Gewesenen, aber für lange Erklärungen war keine Zeit, da die Fahrt zum Bahnhof nur 3 Minuten dauerte. So war er dann auch schon wieder weg, der Künstler aus New York. Irgendwie etwas irreal. Nach einer Stunde bekam ich noch eine Email von ihm, wo er sich für den Nachmittag bedankte und mir den Titel für seine Arbeit vorschlug:

Interview: Petra Melzer (Travel Manager & owner, Reisebüro del mar/Founder, mannzufrau.de), Reisebüro del mar, Mülheim an der Ruhr, Germany (2011)

Foto: Petra Melzer (Travel Manager & owner, Reisebüro del mar/Founder, mannzufrau.de), private home, Oberhausen, Germany (2011)

Danach fuhr ich zur Wottelkirmes in Oberhausen-Königshardt. Dort wurde ich von meinem Patenkind Nela sehr süß empfangen. Sie leierte mir zig Euro aus den Rippen, damit sie beim Fädenziehen, eine Miniaturausgabe von Spongebob für 20 Euro erwerben konnte. Nachdem ich mir dann noch ein köstliches Sahneeis zum Abendessen gönnte durfte ich zweimal in den Genuss der Raupe kommen. Natürlich informierte der freundliche Mann an der Kasse seine Kollegen über meine männliche Stimme, so dass diese kurze Zeit später mit gezücktem Kamerahandy unsere Fahrt begleitete.

Heute störte mich aber nichts mehr, denn ich war ja heute Muse geworden und hatte meinen Engel breit grinsend neben mir sitzen.

Wettkampf

In den letzten Wochen fallen mir immer wieder Sätze auf von Transidenten Frauen wie: Ich habe das in 16 Monaten geschafft, - ich in 18 Monaten,- ich muss es dieses Jahr noch vollbringen.“

Ich habe mir daraufhin noch einmal in Erinnerung gebracht, wie es bei mir war/ist und habe mal folgende Zeitabschnittspakete aufgestellt:

Therapiebeginn – HRT (Hormontherapie) = 190 Tage, 8 Stunden

Antrag VÄ (Vornamensänderung) – Änderung VÄ amtlich = 248 Tage, 6 Stunden

Therapiebeginn – 1.GaOP = 663 Tage, 21 Stunden

Was mir dabei auffällt und mich etwas nachdenklich macht. Mir scheint es so, dass manche diese Phase der Angleichung, als eine Art Wettkampf sehen und möglichst schnell, ja schneller als jede Transfrau zuvor diesen Weg abschließen.

Es gibt aber kein Gold für die beste Zeit, denn auch hier gilt dabei sein ist alles. Und auch das Guinessbuch der Rekorde wird sich nicht melden. Ich kann nachvollziehen, wenn man sich endlich dazu entschieden hat, diesen Weg zu gehen, diesen auch so schnell als möglich abschließen möchte. Man hat ja nun Jahre darauf gewartet das Leben endlich in dem Körper zu leben der zu einem gehört. Doch alles braucht seine Zeit. Und auch wenn ich mit meinen 22 Monaten wohl nur im vorderen Mittelfeld landen werden, so waren die knappen zwei Jahre, trotz der Schmerzen, der Tränen und auch Erniedrigungen mit die schönsten Monate meines Lebens und es gibt Tage wo ich nicht die Frauen beneide, die alles in 18 Monaten geschafft haben, sondern die, die diesen Weg noch viel langsamer gegangen sind.

Geburt – Heute Mittag = 16770 Tage, 17 Stunden

Wahrnehmungen

Habe gestern die Info bekommen, dass die Videos vom Interview das ich gegeben habe online sind. Ich hatte zwei Tage keinen Kopf dafür, da die Ölleitung meines noch ziemlich neuen Autos auf der Autobahn geplatzt war und der Schaden so schlimm aussah, dass ich schon dachte, ich bräuchte einen Austauschmotor. Dieses Ereignis machte mir wieder klar wo ich im Moment finanziell stehe. Seit gut zwei Jahre laufen die Geschäfte im Reisebüro und in meiner Werbemittelfirma nicht wirklich gut. Das hat verschiedene Gründe - u.a. vor allem die wirtschaftliche Lage - aber sicherlich nichts mit meiner Angleichung zu tun, ganz im Gegenteil, hatte ich doch im Reisebüro dadurch sogar Kunden dazu gewonnen. Da ich vor fünf Jahren aber noch gutes Geld verdiente, brauchte ich einige Zeit, um mit diesen geänderten Umständen klarzukommen. Mittlerweile klappt es ganz gut, auch wenn es mich häufiger belastet und der Ausblick auf eine größere Autoreparatur war wie ein Schlag in den Magen. Mir war zwei Tage regelrecht schlecht und ich konnte an nichts anderes denken, bis mir die erste beruhigende Nachricht aus dem Autohaus übermittelt wurde: „Der Motor ist ok“.

Nun hatte ich auch wieder Zeit mich um die Videos zu kümmern. Gestern schaute ich sie mir dann an und meine Gefühle waren sehr merkwürdig, da ich mich selber außer auf Fotos und im Spiegel noch nie betrachtet hatte. Als Erstes dachte ich: Aha, dass bin also ich, so spreche, so bewege ich mich. Dann fing ich an mein Verhalten, meine Körpersprache zu analysieren. Ich achtete zwar auch auf den Inhalt des Gesprächs, wichtiger war aber für mich, das Weibliche an mir zu erkennen. Ich sah sehr viel Positives, aber auch einige Dinge die ich möglichst schnell verändern will. Mir war z.B. nie bewusst, wie ich gestikuliere oder auch meine Gesichtsmimik finde ich nicht immer vorteilhaft. Beim zweiten Anschauen achtete ich mehr auf den Inhalt des Gesprächs und es war eine gute Zusammenfassung meines weiblichen Lebens. Ich wunderte mich, wie offen ich mit einem Menschen darüber sprach, den ich erst seit 10 Minuten kannte.

Ich schickte den Link meinem Partner und meinen besten Freundinnen und war auf Ihre Meinung gespannt. Wie würde ich auf sie wirken, war ich immer so, wie ich in diesem Interview wirkte. War ich zu gekünstelt? Die Antwort war Nein, das war nun Petra, so wie sie sie kennen. Die Eine sah ein Flirten mit meinem Gesprächspartner, die Nächste als ein Kennenlernen mit einem Fremden, während die Dritte mich als völlig normal empfand. Ein drittes Mal schaute ich mir das Interview an und schrieb Anselm eine sachliche Analyse:

Mache sehr viel Mimik, viel zu viel empfinde ich, vor allem meine Glubschaugen – fürchterlich

Wir haben die falsche Seite genommen

Es ist schon sehr lang, aber ich habe durchaus schlaue Sachen gesagt. War ein sehr schönes, aber doch noch zu kurzes Gespräch

UND

Ich hasse meine Stimme, manchmal so sehr, dass ich den Ton ausgemacht habe

So nun fehlte nur noch die Meinung meines Freundes. Aber eines kann ich nun jetzt schon sagen, egal was aus diesem Projekt wird, es war für mich eine schöne Erfahrung und so ein Video ist sicherlich eine gute Therapie für Frauen wie uns und auch ein wundervolles Mittel, sich zu studieren und an sich weiter zu arbeiten.

P.s. Das Wichtigste, was mein Freund gesagt hat: Hast du sehr gut gemacht, Kus JJos

Die Videos findest Du nachfolgend:

Gefühle

Ich hatte gestern einen schönen, Nein, sehr schönen Tag. Eigentlich hatte ich hier nun vor über die Hochzeit einer Freundin vom letzten Freitag zu schreiben. Von den wochenlangen Planungen, über was ich anziehe, über meine Ängste, wie die Verwandten und Freunden auf mich reagieren würden. Ja selbst nach zwei Jahren des öffentlichen Lebens habe ich die noch manchmal. Doch nur kurz dazu, die Hochzeit war schön, Die Braut aber auch ich sahen toll aus und ich genoss die Aufmerksamkeit meines Freundes, so dass ich an diesem Abend gar nichts von einigen intensiveren Blicken mitbekam.

Doch zurück zum gestrigen Tag. Ich hatte vor einigen Wochen einen Termin bei Frau Professor Dr. Krege in Krefeld gemacht, da ich mit zwei Dingen bzgl. meiner Angleichung immer noch nicht zufrieden war. Da Frau Dr. Krege vor einigen Jahren noch mit Dr. Rossi in Essen zusammengearbeitet hatte und eine der führenden Operateurinnen in Deutschland ist, wollte ich von ihr eine zweite Meinung bzgl. meines Ergebnisses haben. Früher hätte ich noch Tage zuvor über dieses sicherlich wichtige Ereignis nachgedacht und geschrieben. Gestern beschäftigte ich mich erst auf dem Weg dorthin damit. Mehr noch freute ich mich aber meinen Freund wiederzusehen. Er hatte sich extra Zeit freigeschaufelt, um dabei seien zu können.

Der Besuch im Maria Hilf Krankenhaus war dann auch nicht sehr lang. Das Resultat der OP sieht sehr gut aus, der Scheideneinstieg ist schön glatt und nicht mehr erweiterbar, so dass ich darauf hoffen musste, dass das Einreißen mehr und mehr nachlassen würde. Bei der berührungsempfindlichen Klitoris könne man eventuell noch die äußeren Schamlippen mehr zusammenbringen, damit keine ständige Reizung durch die Kleidung erfolgt. Da ich aber damit keine Probleme hatte, werde ich das nicht machen. Alles in Allem war dieser Besuch wichtig für mich, da mir die Aussagen vom Dr. Rossi bestätigt wurden. Ich beschloss nun das Thema ein wenig aus meinem Kopf zu streichen, damit ich auch den Sex, den ich nach wie vor habe, „kopffreier“ genießen konnte.

Das sehr Schöne Gestern war und ist aber mein Freund gewesen. Da die Zeit zu knapp war, um zu mir zu fahren, begaben wir uns in die Krefelder Innenstadt. Nach einem kurzen Bummel über die Krefelder-Kö, fanden wir uns in einem kleinen Feinschmecker Bistro wieder und hatten ein sehr gutes Gespräch.

Wir sprachen über viele kleine Fettnäpfchen, in die ich in den letzten Wochen immer mal wieder rein sprang.

Er schilderte mir seine Sicht der Dinge und mir wurde an diesem Nachmittag wieder klarer, was ich alles an diesem Mann habe. Und auch, wenn ich gerne einmal in einer eheähnliche Verbindung leben würde, so ist unsere Beziehung sicherlich viel mehr als nur eine „Affäre“ und ich möchte sie für nichts auf dieser Welt aufgeben.

Ich habe mich wieder mal neu verliebt und das fühlt sich sehr schön an

Komplimente

Ich lebe nun seid einige Jahre in meinem Wunschgeschlecht und habe so manche kribbelige Outingsituation hinter mich gebracht. Oft hatte ich unbegründet Ängste, dass man mich oder besser über meine Erscheinung lachen würde. Ganz im Gegenteil, in letzter Zeit bekomme ich häufiger Kompliment. Soetwas wie:“Du siehst aber gut aus“, „Du bist hübsch“.

Das schmeichelt mir und hört jede Frau gerne. Heute Morgen kam mir aber ein Gedanke, der mir gar nicht gefiel. Wie meint mein Gegenüber das überhaupt?

„Du bist aber eine Hübsche“ (Frau, ohne Hintergedanken) oder
„Du bist aber eine Hübsche“ (Transe, für Eine, die mal körperlich ein Mann war)
„Du siehst gut aus“ (Weiblich, nicht mehr wie ein Mann, hätte ich gar nicht gedacht)

Ist schon ein Unterschied wie man das sieht. Nicht, dass ich nun keine Komplimente mehr haben möchte oder Jeder, der mir eins macht, diese mir erklären muss. Aber ich werde mal die Komplimente ein Stück weit relativieren, je nachdem wo ich sie erhalte. Zudem ist es für uns Transfrauen schon das schönste Kompliment, wenn wir für unser Gegenüber einfach nur Frau sind, egal ob hübsch oder nicht.

(Kommentar meines Freundes: Ein Musterbeispiel wie man sein Selbstvertrauen untergraben kann.)

früherer Deal

In den letzten Tagen habe ich häufig von anderen transfrauen gelesen, die Probleme beim Outing mit Ihren Eltern haben und so wird es mal wieder Zeit einen kurzen Ausflug in die Vergangenheit zu machen, zurück in die Zeit, nachdem ich mein ersten Outing hatte und ich dachte es wäre nur eine Phase.

So jetzt wusste mein Umfeld davon, würde sich jetzt irgendetwas ändern. Wie ging es jetzt weiter mit mir. Ich fühlte mich regelrecht befreit, ich hatte das Gefühl, dass eine Zentnerlast von meiner Seele genommen wurde. Da ich mittlerweile auch einige Schulden durch mein Hobby produziert hatte, machte ich einen Deal mit meinem Vater. Er nahm meine Finanzen in die Hand und versprach mir finanzielle Unterstützung. Da ich seine Hilfe sehr gut gebrauchen konnte (meine damaligen Schulden beliefen sich auf ca. 20.000 DM) ließ ich mich auf seinen Deal ein. Ich musste ihm nur versprechen, mit „dieser“ Sache aufzuhören. Schließlich überwog damals der Wunsch nach einem „normalen“ Leben und der Vertrag war perfekt. Er bekam meine ganzen Verträge und meine Scheckkarten und ich entschloss mich meine Sachen zu verkaufen oder wegzuschmeißen. Ich inserierte ein letztes Mal in der Transaktuell und bekam auch einige Zuschriften von anderen TVs die sehr großes Interesse an meinen Sachen hatten. Schließlich besuchte mich jemand aus Köln, der fast all meine Sachen (Silikonbrüste, 5 Paar Schuhe und vor allem meine erste Echthaarperücke aus den USA NP US$ 400,00) für schlappe 500 DM kaufte. Mein Vater befand sich zwischenzeitlich im regen Briefkontakt mit meinem Verein. Diese sogenannte Selbsthilfegruppe zeigte nun ihr wahres Gesicht. Sie wollten mich nicht aus ihren Vertrag lassen. Sie drohten meinen Arbeitgeber zu informieren und beschwerten sich über die von Ihnen selbstgemachten Fotos von mir. Es hätten sich doch einige Mitglieder über diese Fotos abfällig geäußert. Nach Androhung eines Anwalts, den mein Vater eingeschaltet hatte, gaben sie schließlich doch nach und das Kapitel TRANS…… war abgeschlossen. Doch sollte ich den Fotografen später noch einmal über dem Weg laufen.
So verging die Zeit und es sah so aus, als ob ich das Leben, was sich mein Vater für mich vorgestellt hatte, doch noch leben sollte. Ich schaffte es von meinen Schulden herunterzukommen, hatte (fast) alle Sachen verkauft und wenig später hatte ich mal wieder eine Freundin. Für meine Freunde und Familie war das Thema erledigt. Da ich sowieso als etwas schräg galt, war es für sie wohl eine Laune von mir. Die Beziehung ging dann auch so ca. 6 Monate gut. Als meine Beziehung beendet war, fing ich aber wieder langsam an Sachen zu kaufen. Es ging dann relativ schnell und ich hatte mehrere komplette Outfits. Silikonbrüste von Samanta-Moden in Hamm, Schuhe aus einem Düsseldorf Geschäft für Übergrößen und drei Perücken aus dem Internet. Die Kleidung und Makeup und was man sonst so als Frau braucht kaufte ich in normalen Geschäften, da man das mittlerweile auch als Mann kaufen konnte, ohne schräg angeguckt zu werden. Da ich nun schon einige Jahre bei AOL war, stellte es auch kein Problem dar, alte und neue Menschen kennen zu lernen. Schnell meinen alten Account aktiviert (Petratranse) und es war so, als wäre ich nie weg gewesen. Ich baute meine Homepage mehr und mehr aus und fing wieder an Kontakte mit TV-Schwestern und Männern zu knüpfen.

Nun sollte meine exzessivste Phase kommen, doch das ist mal wieder ein Extrakapitel. Nur so weit, ich war mehr wie freizügig was meine Blogs und Berichte über diese Treffen angeht. Als ich diese nun das erste Mal nach Jahren gelesen habe, suche ich noch nach einer Möglichkeit diese so wiederzugeben, dass sie mein damaliges Ich widerspiegeln aber auch noch mit mir und meiner jetzigen Persönlichkeit vertretbar sind.

Urlaub und Geburtstag

Tja, wieder ein Jahr vorbei. Ich hatte vor einigen Tagen mal wieder Geburtstag. Früh stand fest, dass mein Freund nicht da sein konnte und auch so verspürte ich keine große Lust wie jedes Jahr eine Feier auszurichten. Ich habe zwar das Glück (oder auch Pech), dass ich an einem Feiertag Geburtstag habe und somit idealer weise rein feiern kann, doch auch die letzten Partys waren meist nicht so, wie ich es mir gewünscht hatte. Ich habe ja in vielen Bereichen immer sehr hohe Erwartungen und es war ja schließlich nur ein Geburtstag, doch schon immer hatte ich mir für diesen für mich besonderen Tag im Jahr etwas Besonderes gewünscht. Ein Tag für mich, ein Tag an dem ich mir etwas Schönes gönnte. Auf Materielles legte ich noch nie großen Wert. Klar freue ich mich über eine kleine Aufmerksamkeit, vor allem, wenn ich merke, dass sich mein Gegenüber Gedanken gemacht hat. Vor einigen Jahren hatte ich auch mal zum feiertäglichen Geburtstagsfrühstück geladen. Ich fand auch diese Art zu feiern sehr schön, doch meistens hat man dann auch hier nicht die Zeit sich entsprechend um seine Gäste zu kümmern, da man nur hin- und her hetzt und Gäste begrüßt oder verabschiedet und später dann den restlichen Tag damit beschäftigt ist, seine Wohnung, die man vorher ja bereits gründlich geputzt hatte, wieder zu putzen. Nun stand der Entschluss ja fest, mir etwas Gutes zu tun, aber was wünschte ich mir eigentlich und was viel wichtiger war, was konnte ich mir an einem einzigen Tag erfüllen. Ein Kind, Niederländisch lernen, Oberlidstraffung??? Alles irgendwie nicht realisierbar. Vielleicht einen schönen Wellnesstag? Aber so ganz alleine, hatte ich da auch keine Lust zu.

Aber es gibt zwei Menschen in meinem Leben, die mir die letzten Jahre immer durch ihre Ehrlichkeit, Fröhlichkeit und Zuneigung das Leben einfacher gemacht haben. Nur Wellness war wirklich noch nichts für sie und in die Sauna dürfen sie noch nicht. Also beschloss ich mit diesen beiden einen schönen Mädelsabend zu verbringen. Ein paar Spielchen, einen schönen Film schauen, etwas Süßes zum knabbern, einfach mal albern und Kind sein. Genau, super Idee.

Und auch wenn ich diese Nacht auf der Couch verbringen musste, weil meine Gäste in meinem Bett schliefen, so hatte ich in diesem Jahr einen wunderschönen Tag und meinen ersten Kindergeburtstag als Mädchen J (mit Negerkusswettessen, 5 Kilo Griespudding und Wunderkerzen um 0:00 Uhr)

Danke Nela, danke Lotta

Die Woche und mein Urlaub gingen dann auch sehr schön weiter. Am Dienstag kamen Freunde von mir zum Kaffee und Kuchen, alle wichtigen Menschen gratulierten mir brav und abends gab es Schweinelendchen vom Mann meiner besten Freundin. Mittwoch konnte ich meinen Freund in die Arme nehmen. Wir hatten zwar „nur“ knapp vier Stunden Zeit für uns, doch wir machten uns einen sehr schönen Vormittag in Roermond (Tipp von mir: geht nicht nur in die Mall, sondern schaut euch die Innenstadt an). Der Donnerstag war zwar nicht so erfolgreich, da ich nicht die Dinge erledigen konnte, die ich mir vornahm. Der Freitag war dann wieder umso schöner. Ich verbrachte den ganzen Tag mit Nela, erst im Sealife, dann im CentroPark und am Schluss fuhren wir noch gemeinsam in ihre Lieblingswaschstraße. Wie schön sie den Tag fand sagten ihre Worte: „Ist so, als ob ich Geburtstag hätte.“ Am Samstagmorgen hatte ich noch ein sehr schönes Gespräch mit meinem Freund im Chat. Er zeigte mir wieder mal auf, dass ich sehr extrem in meinem denken bin. Falls ich einen schönen Tag hatte war alles super toll, falls irgendetwas mal nicht so klappte, war ich am Boden zerstört und nervlich am Ende. Sehr schön erklärte er mir an Beispielen, dass ich lernen musste, in bestimmten Situationen zu relativieren. Und somit war dann der Samstag mit Jos nicht ein unspannender, ruhiger Abend, sondern wunderschöne, erholsame Stunden mit dem Mann, den ich liebe und besonders viel Lachen kann.

Fing eigentlich gut an ...

Am Freitag hatte ich mal wieder einen freien Tag, naja frei ist vielleicht etwas anderes, ich musste nicht arbeiten, doch hatte ich volles Programm. Früher wären diese Dinge jedes für sich ein Highlight gewesen. Nicht auf Grund der Ereignisse, sondern, weil ich all diese Dinge als optisch weibliches Wesen erleben durfte. Ich hätte noch vor 1 Jahr von Jedem unzählige Fotos gemacht und einen Blog geschrieben. Heute war es herrlich normal, doch trotzdem sollte im Laufe des Tages etwas passieren, was mir ein merkwürdiges Gefühl macht. Ob es ein gutes oder Schlechtes ist, weiß ich noch nicht.

Morgens fuhr ich zuerst zum Autohaus, wo ich meine Winterreifen aufziehen ließ. Vor einiger Zeit schauten noch einige Servicemitarbeiter etwas irritiert, wenn sie mich sahen und ich hatte das Gefühl, dass ich ihnen nicht so ganz geheuer war. Mittlerweile hat sich jeder an mich gewöhnt und das beste war jeder kennt meinen Namen.

Dann ging es zum Frauenarzt, Kontrolltermin für meine Brust, ist ja nun auch schon über ein Jahr her. Sie hat sich prima entwickelt und damit meine ich jetzt nicht meine Frauenärztin und sieht mittlerweile sehr natürlich aus. Das Brustkrebsrisiko ist bei mir aber gestiegen und so nahm ich meine jährliche Untersuchung vor. Erst tastete sie meine Brust ab, was mich zu der Frage veranlasste: „Wie taste ich denn selber meine Brust regelmäßig ab?“. Sie erklärte es mir und begann dann mit dem Ultraschall. Eine Mammographie ist auf Grund der Implantate nicht möglich, so dass ich höchstens später auf ein MRT zurückgreifen könnte. Die Implantate würden mindestens 10 Jahren halten, können aber auch länger sein und ob ich sie überhaupt mal wechseln müsste, stand in den Sternen. Ich „versuchte“ das Bild auf dem Monitor zu verstehen und kam mir sogar ein wenig vor wie eine Schwangere. Ich wartete immer darauf, dass ich ein kleines Händchen dort sehen würde. Das ist wohl auch der Grund warum ich gerne zum Frauenarzt gehe. Natürlich sah ich nichts dergleichen, nur ein paar Linien, Rippen und zwei unauffällige Implantate, die sich sichtlich wohl in meinem Körper fühlten.

Keine Auffälligkeiten und so ging es kurz nach Hause, Mittagessen. Danach ging es weiter nach Solingen zu meiner Elektrolistin. Mittlerweile fahre ich nur noch alle 10 Tage dort hin und rasiere mich schon seit Monaten nicht mehr. Mein Körper hat sich an die Schmerzen auch gewöhnt, aber angenehm ist es nach wie vor nicht. Danach noch meine Nägel schön und ab ging es nach Hause, um ziehen und 1 Stunde Fitness und der Tag war um.

Doch nun zu einem besonderen Ereignis, das sich irgendwo dazwischen ereignete. Ich bekam um die Mittagszeit einen Anruf meiner Mutter und sie begann das Gespräch mit:

„Hallo Petra, ich weiß nicht, wie Du nun reagieren wirst“? Zuerst dachte ich, es wäre etwas passiert, da meine Eltern ja nicht mehr die jüngsten sind. Dann, „Möchtest Du Weihnachten zu uns kommen?“ Ich fuhr rechts ran und sagte erst einmal gar nichts. „Das muss ich erst einmal sacken lassen. Wessen Idee ist das?“ „Vater hatte die Idee schon einmal vor drei Tagen geäußert und heute noch einmal“ Ich schlickte, „Ok, lass mir bitte etwas Zeit, ich möchte darüber nachdenken, ich ruf Dich die Tage an“ Wir legten auf, ich atmete tief durch und ließ mir das Gesagte noch einmal durch den Kopf gehen.

Es gab zwei Menschen, zu denen ich seit meinem Outing keinen Kontakt mehr habe. Der Zweite war mein Freund Andreas, zu dem ich den Kontakt abbrach, weil ich keine Lust mehr hatte, mich ständig für mein Sein zu rechtfertigen und der Erste war mein Erzeuger, wie ich ihn mittlerweile nur noch nannte. Er hatte relativ zeitnah den Kontakt abgebrochen. Ich hatte einige böse Briefe erhalten und es hat mich viel Mühe gekostet diese Tatsache zu akzeptieren, ihn aus meinem Leben zu streichen, da er mich „beerdigt“ (laut seine Aussage) hatte.

Wenn er nun doch wieder Kontakt zu seinem Kind haben wollte, warum hat er dann nicht selber angerufen, warum hat er mir nicht einen Brief geschrieben? Aber meiner Mutter war es sehr wichtig, ich weiß noch wie schwer es ihr gefallen war, trotz der Abneigung meines Vaters, den Kontakt zu mir aufrecht zu halten. Wie schwer sie sich daran gewöhnt hatte „Petra“ zu mir zu sagen, da mein Erzeuger mich nach wie vor mit meinem männlichen Namen ansprach. Ich erinnerte mich daran, dass wir uns gerade auf Grund dieser schwierigen Umstände nun nach über vierzig Jahren nah gekommen waren. Ich hatte in Gesprächen etwas mehr von ihren Gedanken und ihren Gefühlen erfahren, von ihr als Mensch und das verbindet mich mehr mit ihr, als ich es je in meiner Kindheit war.

Würde es hier nur um meinen Erzeuger gehen, so gebe es nur eine Antwort für mich, doch so entscheide ich mich für meine Mutter, dafür ihm eine hundertste Chance zu geben, um meine Mutter ein wenig glücklicher zu sehen. Das Gefühl, dass ich meinen Erzeuger in etwas mehr als einen Monat wiedersehen werde macht mir aber noch etwas anderes klar. Irgendwie merke ich, dass meine lange Reise der Angleichung bald zu Ende ist. Ich stelle mich wieder einem bösen Geist meiner Vergangenheit und das ist gut so.

Einen Tag später, ich hatte gerade das letzte Kapitel geschrieben und Besuch von einem Freund. Wir saßen auf der Couch und schauten Sportschau und das Telefon klingelt: “Petra Melzer“ „Hier ist der Papa, ich wollte nur sagen, dass ich die Einladung wieder zurücknehme!“ Tütütütüt… Wie, was war das jetzt. Ich war noch sprachloser und mir schossen direkt Tränen der Enttäuschung und der Wut in die Augen.
Das war es dann, mal wieder. Ich analysierte das Geschehene und kam zu dem Entschluss, dass nur der Grund, dass ich nicht direkt zugesagt hatte, ausschlaggebend für sein Verhalten gewesen sein kann. Was hatte er erwartet, dass ich Juchuu schreie, wenn sich der Mensch nach über zwei Jahren meldet, der mich verstoßen hatte. Er hat meine Mutter vorgeschickt, dass sie mich fragte, keine Entschuldigung kam über seine Lippe und auch seine Absage kam wie immer: hart, gefühllos und ohne die Möglichkeit etwas zu erwidern. Ich stelle mich nun auch wieder auf einen erneuten Brief ein.

Vielleicht mag sich nun der eine oder Andere fragen warum ich diese Bedenkzeit benötigte, warum ich nicht direkt Jipiiieeeh geschrien und zugesagt habe. Ich wollte mir dann doch noch einmal die vergangenen Kommentare und Gesagtes ins Gedächtnis rufen. Ich werde hier auch nicht auf meine Kindheit zurückkommen, sondern nur auf die beiden Briefe, die er mir im Jahr 2009 zukommen ließ, aus denen ich hier einmal zitieren möchte:

… Hallo Lothar,
… ich halte deinen Wunsch nach einer Geschlechtsumwandlung für ausgemachten Humbug. Deine offensichtlich vom fehlenden Realismus begleitete Entscheidung kann ich absolut nicht nachvollziehen. Ich werde es heute wie auch künftig nicht akzeptieren, dass aus meinem Sohn eine halbfertige Tochter wird…. Sollte deine Mutter eines Tages vor lauter Gram und Traurigkeit ihre Lebenslust verlieren und vor mir aus dem Leben scheiden, werde ich diese Scheißfamilie dafür zur Verantwortung ziehen. Es wird dich dann im wahrsten Sinne des Wortes der Teufel holen… Jedem der weiter verrückt spielen möchte, sei gesagt, dass es dafür geeignete Einrichtungen gibt. Eine Einladung zum absurden Theater kannst Du nach unserem Tod immer noch annehmen.
In Deinem grenzenlosen Egoismus hast Du alle Türen zugeschlagen. Glücksgefühle auf Kosten anderer, ist das jetzt Deine Lebensweisheit? Ich kann dir den Vorwurf nicht ersparen, zur Zerstörung der Familie beigetragen zu haben. Ich werde es deshalb testamentarisch festlegen, dass Du von der Teilnahme an meiner Beisetzung ausgeschlossen wirst. Du hast es Dir verdient.
Vater

Das waren nun Ausschnitte von den beiden Briefen, die mir mein Erzeuger geschrieben hatte. Sicherlich ist es nun klar, dass ich über eine Entscheidung Weihnachten zu meinen Eltern zu fahren nachdenken musste. Es tut mir für meine Mutter leid, auch wenn mir bewusst ist, dass sie selber für ihr Leben verantwortlich ist. Ich hoffe aber, dass sich dadurch unser Kontakt, den wir in den letzten Jahren aufgebaut haben nicht wieder zerstört wird.

Online-Communitys

Startrans und Travesta. Zwei Communitys, die mich viele Jahre begleitet haben und auf einer habe ich auch meinen Freund kennengelernt. Dafür bin ich natürlich sehr dankbar. Auf den Internetplattformen und in meinem Bezug dazu hat sich mittlerweile viel geändert.

Ich brauchte früher diese Medien, um Kontakte aufzubauen, zu anderen Menschen, die so sind wie ich. Es gibt dort zwar immer noch eine Menge DWTs, TVs und auch TS, doch harmonisieren deren Interessen und Bedürfnisse nicht mehr ausreichend mit meinen, was letztendlich daran liegt, dass ich mich nicht nur weiterentwickelt habe, sondern auch einen anderen Weg gegangen bin. Es ist kein Fetisch, den ich lebe.
Und so merkte ich in den letzten Wochen, auch nachdem ich meine eigene Community aufgegeben hatte, dass mich nichts mehr mit den Zielen, weshalb ich als Frau auf diese Plattformen bleiben sollte, verbindet. Wenn ich Emails bekam, dann doch mehr wie niveaulose Anfrage zwecks Sexdates, obwohl ich in meine Profile explizit vermerkt hatte, dass ich da total gar kein Interesse dran habe.
So war heute Morgen, der Schritt mich von diesen beiden Plattformen abzumelden und meine Profile zu löschen nicht wirklich schwer. Bleibt mehr Zeit sich auf andere Dinge wie meine Website und mein reales Leben zu konzentrieren.

Wunscherfüller

Kennt ihr das, man lernt einen Menschen kennen, der einen das Gefühl gibt, nur für einen da zu sein. Er klebt an euren Lippen und ihr teilt ihm, ohne dass ihr ihn kennt, direkt all eure Sorgen und Ängste mit.

Ursprünglich war dieser Text auf einen Menschen bezogen. Mittlerweile stelle ich aber fest, dass es hiervon so Einige gibt. Ich habe in den letzten Monaten und Jahren gedacht, dass immer mal wieder neue Freundschaften auf meinem transidenten Weg entstanden sind. Doch sind es wohl dann doch eher kurzfristige Bekanntschaften gewesen.

Viele schenken einmal Aufmerksamkeit, nach denen Du all die Jahre gesucht hast. Du fühlst Dich mit diesen Menschen schnell verbunden, weil sie sich offenbar für DICH interessieren. Wahrscheinlich habe ich das oftmals völlig falsch interpretiert und ich bin für sie nur eine von vielen, eine Frau mit einer besonderen Vergangenheit, die für sie kurzfristig interessant ist oder es ist eben Teil ihres Berufs.

Sie sind Feen, Zauberer und Wunscherfüller zu gleich. Leider versprechen sie aber auch schon Mal Dinge, die sie nicht halten, aus welchen Gründen auch immer. Das stört mich mittlerweile doch sehr und dann ist diese anfängliche Verbundenheit weg. Der Zauber ist verflogen. Ich sehe ihr Lächeln nicht mehr, auch wenn sie es mir noch zeigen. Weil ich weiß, dass es nicht mir persönlich gilt, sondern ihrer Arbeit, ihrem Ich.

Und das tut weh, da ich sie wirklich sehr gemocht habe. Manchmal schreibe ich ihnen noch, doch ich bekomme keine Antwort mehr.

Ich habe bewusst einige Tage verstreichen lassen, um das Thema noch einmal etwas sachlicher anzugehen und mit einigen Menschen darüber zu sprechen. Mittlerweile sehe ich es so, dass diese lächelnde Zauberer nie wirklich existent waren, vielleicht in meinem Kopf, aber mehr halt nicht. Ich würde zwar alles genauso wieder machen, doch habe ich durch sie gelernt, dass Charme zwar schön ist, aber nicht alles. Ich habe gelernt, dass ein Lächeln kein Zauber ist, der alles ermöglicht, doch vielleicht manchmal Hoffnungen weckt, die nicht erfüllt werden können.

Ich finde es nach wie vor besser, wenn jemand lächelnd seinen Job macht. Was ich aber nicht mag sind Versprechungen, die nicht eingehalten werden. Dann doch lieber ehrlich und sachlich, als Hoffnungen wecken und diese nicht einlösen, aber wahrscheinlich habe ich das auch alles nur falsch verstanden.

Objekt

Nun schreibe ich über eine Phase meines Lebens aus der mich viele Sachen anwidern, wenn ich jetzt darüber nachdenke. Eine Zeit in der ich mich jedem Mann als Sexobjekt angeboten habe, nur um das Gefühl eine Frau zu sein zu erreichen. Aber eben auch ein Stück meines Lebens, ohne dass ich nicht die Person wäre, die ich nun bin.

Ich habe bewusst einige Passagen etwas entschärft, da ich nicht die neue Charlotte Roche werden und auch keine Drehbuch für einen Porno liefern möchte, aber gewisse Dinge müssen nun mal gesagt werden, da ich sie genauso empfunden habe. All die lieben Menschen, die mit so etwas nichts anfangen können, sollten dieses Kapitel überspringen.

Es muss so um 1999 gewesen sein, ich fing an mich regelmäßiger mit Männern zu treffen und meine Phantasien auszuleben. Es war ein Leichtes, Männer zu finden, die sich mit mir treffen wollten. Es gibt da draußen eine Menge Männer, die Interesse an dem dritten Geschlecht haben, was sicherlich verschiedene Gründe haben mag. Ich fragte mich auch nie was einen Mann dazu führte sich mit mir zu treffen, da ich in diesen wenigen Minuten einfach glücklich war und mich als Frau sah (und/oder fühlte). Und auch wenn ich diese Illusion nur erreichte, indem ich mich dafür betrinken musste um mich wie ein williges Stück Fleisch an zu bieten, so sehnte ich diese Augenblicke immer wieder herbei wie Kinder Ihre Bescherung.

Eines ist aber sicher, es sind keine Perversen oder verkappten Schwule, meist waren es verheiratete Männer, die das Besondere gesucht haben.

Anfangs verabredete ich mich auf einem Parkplatz in der Nähe der Metro und spielte die Rolle einer Straßennutte. Es war schon sehr aufregend als der fremde Wagen neben mir hielt und ich später über der Motorhaube gebeugt von hinten genommen wurde.

Später verabredete ich mich meistens bei mir zu Hause, da ich auch mehrmals versetzt wurde. Es war einfach praktischer und auch wärmer in meinen vier Wänden. Zu dieser Zeit besprach ich den Ablauf eines Dates meistens im Vorhinein, so dass ich möglichst wenig sprechen musste. Ich genoss es als Frau begehrt zu werden und die Männer genossen es ein williges Etwas ohne große Fragen zu bekommen. Ich spielte z.B. die Geschichte einer einsamen und unbefriedigten Ehefrau, die die Chance nutzte, als ein fremder Mann bei ihr zu Hause klingelte. Egal was ich dafür tun musste, ich war für diese Männer ein weibliches Wesen und das war Alles was für mich zählte. Meine Geilheit war eher ein starkes Verlangen nach Anerkennung meiner Weiblichkeit, aber das erkannte ich damals so noch nicht.

Ich war sehr leichtgläubig und blendete meine Angst, dass ich an einen Psychopaten gelangen konnte aus. Trotzdem hatte ich oftmals ein großes Küchenmesser unter dem Sofakissen oder in meiner Handtasche versteckt. Ich wusste nicht, ob ich es je benutzt hätte, aber es gab mir zu mindestens ein kleines bisschen Sicherheit.

Dann fing ich an meine Homepage noch mehr auszubauen. Ich hatte nicht mehr die richtige Lust lange nach Sexpartner zu suchen. Es war bisher immer der gleiche Ablauf. Ich ging in einen Chatraum und wurde mit Kurznachrichten bombardiert und je nachdem wie „geil“ ich zu dem Zeitpunkt gerade war, verabredete ich mich am besten gleich für denselben Abend.

Ich schrieb auf meiner website möglichst viel über mich, meine Erfahrungen und Neigungen. So ersparte ich mir die üblichen Fragen und verwies einfach auf die Homepage. Auch Cybersex versuchte ich dann einmal, da viele immer wieder fragten, ob ich denn eine Cam hätte. Nun was soll ich sagen: „Geil ist anders.“ Aber es war halt eine Möglichkeit, das Verlangen zu befriedigen, wenn es nicht zu einem Livedate kommen sollte. Ich saß dann mit Vibrator auf der einen Seite des Rechners, während mein Gegenüber sich genüsslich einen runterholte.

Zu diesem Zeitpunkt war ich bei AOL und sehr häufig in den verschiedenen Transenchats. Es war immer wieder überraschend wie viele Transen es zu geben schien. Mein damaliger Name war „susisorg“. In meiner vergangenen depressiven Phase und um Geld zu sparen, kündigte ich aber AOL und bei der Neuanmeldung entschied ich mich dann für den Namen „petratranse“. Meine Homepage lief zu diesem Zeitpunkt auch bei AOL, doch waren hier die Möglichkeiten und vor allem der Homepagename sehr beschränkt und so entschied ich mich meine eigene Domain zu sichern. Der Abschied von AOL fiel mir zwar schwer, doch gab es auch viele negative Aspekte vom damals größten Provider der Welt. Es gab damals noch keinen Popupblocker und nebenbei hatte ich Telefonrechnungen von bis zu 700 DM pro Monat.

Ich trug nun meine neue Homepageadresse regelmäßig in Suchmaschinen ein und sie entwickelte sich zu einem der größten Amateur-Portalen, welches sich mit Sex befasste. Ich bekam auch Anfeindungen, dass ich mit meiner sexorientierten Seite den Ruf der Transsexuellen schaden würde. So spürte ich das erste Mal die große Intoleranz innerhalb einer Gemeinschaft, die dieses immer wieder von der Gesellschaft fordert.

Klar befasste sich meine Seite stark mit sexuellen Phantasien, doch hatte sie sicherlich weitaus mehr zu bieten und wurde ständig ausgebaut. Im Gegensatz zu vielen Selbsthilfeportalen, die zudem nur dazu rieten, eine Therapie zu machen und Hormone zu nehmen. (Tja, hätte ich vielleicht im Nachhinein mal drauf hören sollen). Ich war nach wie vor der Meinung, dass es sich bei mir um einen Fetisch handelte. Ich weiß, dass es sehr viele Abstufungen gibt in dieser Art des „Frauseins“ und es ist für jeden Platz. Und wenn wir schon von aller Welt Toleranz erwarten, so sollten wir doch gerade bei Unseresgleichen anfangen. Nun gut, die Rubriken, die sich bei mir am stärksten entwickelten waren sicherlich die Galerie, Stories und die Anzeigen. Die Stories handelten von Sexphantasien, in denen ich eine begehrenswerte Frau war und in der Rubrik Anzeigen konnte andere Suchende ihre Annonce aufgeben.

Irgendwann entschloss ich mich dann mal ein Treffen mit Mehreren zu versuchen und das war der Beginn meiner damals legendären Sexpartys. Wenn Du jetzt weiter liest wirst Du Dich sicherlich wundern warum ich nach den ersten Partyversuchen überhaupt weitergemacht habe, aber nur Geduld zahlt sich aus.

Dezember

Zweimal sollte ich Jos noch sehen können. Für mich immer absolute Highlights, auf die ich mich sehr freue, gerade auch in dieser dunklen Jahreszeit. Leider mussten wir den ersten Termin absagen, da er sehr krank wurde. Wir hatten für Mitte Dezember unser Weihnachtsessen geplant und das war mir sehr wichtig, so sollte er sich erst einmal erholen.

Das Essen klappte dann auch. Wir waren im Schloss Hugenpoet, einer wirklich sehr guten Adresse in Essen Kettwig. Das Ambiente und der Service waren hervorragend. Allerdings fanden wir beide, dass das Menu zwar ebenfalls qualitativ sehr gut ist, doch konnte es mit der „Schote“ aus dem Jahr davor nicht mithalten, da es eher der klassischen französischen Küche entsprach und uns in keinster Weise überraschte. Es war aber wieder mal ein sehr schöner Jahresabschluss unserer Zweisamkeit. Und als er am nächsten Morgen Richtung Niederlande fuhr, wurde ich doch sehr traurig. Nun stand ja Weihnachten und Silvester vor der Tür und das leider ohne meinen Schatz.

Leider wurde ich nun wieder häufiger sehr traurig, da ich die Abende meist alleine verbrachte. Kein Mensch, der mich abends mit einem Lächeln empfängt, keiner, der mich nach diesen Tagen in seine Arme nahm.

Vorweihnachtliche Stimmung kam bei mir dieses Jahr somit nicht auf. Das hatte mehrere Gründe. Sicherlich ist es ein Unterschied, dass im letzten Jahr schon Ende November Schnee lag und dieses Jahr bei 9 Grad und nieselregen, naja. Dann hatte ich doch sehr viel mit dem Umzug des Reisebüros zu tun. Ich hatte kaum etwas anderes im Kopf und leider machte mein Rücken mir manchmal einen Strich durch die Rechnung. Seit meiner Hormontherapie ist meine Muskulatur extrem zurückgegangen. Mittlerweile hatte ich schon Probleme eine Kiste mit Ordner hochzuheben. An diesen Zustand konnte ich mich nur schwer gewöhnen, da ich mir ein wenig wie eine Behinderte vorkam und es nicht mag, wenn man ständig auf Hilfe Anderer angewiesen ist. Ich habe auch das Gefühl, dass mir das viele nicht glauben. Sie schauen mich an, sehen ein 188cm große Frau, nicht gerade schmächtig und denken sicherlich, dass ich einfach nur zu faul bin. Als ich zB am 21.Dezember beim Betriebshof der Stadt Mülheim 4 Halteverbotsschilder für den Umzug abholte, fragte ich dort , ob man mir eben helfen könne, die Betonständer (Gewicht ca. 25 kg das Stück) in mein Auto zu legen: „Nö“ hörte ich nur kurz und knapp und so mühte ich mich eine geschlagene Viertelstunde damit ab die 100 kg in mein Auto zu Hieben.

Jetzt hatte ich erst einmal drei Tage frei, um mich ein wenig zu erholen und auf den Umzug vorzubereiten. Heiligabend verbrachte ich wieder mit der Familie meiner besten Freundin, aber auch hier wollte nicht so recht Stimmung aufkommen. Auch die zwei Feiertage waren verplant, so dass ich gar nicht mehr viel grübeln konnte.

Was mich aber am meisten beschäftigte war das Arbeitsverhältnis mit meiner Geschäftspartnerin. Wir waren mal gute Freunde und machten auch in der Freizeit so einiges miteinander. Das hatte sich durch unsere unterschiedlichen Interessen in den letzten beiden Jahren verändert, so dass sich unser Kontakt ausschließlich noch auf unsere Arbeit bezieht. Mittlerweile geraten wir uns immer wieder über Kleinigkeiten an die Köpfe. Ich habe in den ersten Jahren sicherlich den Fehler gemacht nach Meinungsverschiedenheiten immer wieder nach zu geben. Seit gut zwei Jahren bin ich aber nun in meiner ganzen Persönlichkeit erheblich selbstbewusster und so ist es nur normal, dass wir nicht immer einer Meinung sind. Was mich aber daran belastet, ist, dass sie auf stur schaltet, sie sprach dann einfach nicht mehr mit mir. Kurz vor Weihnachten schrieb ich ihr dann eine Email, in der ich den weihnachtlichen Gedanken aufgriff und sie von einem Neuanfang überzeugen wollte. Einfach mal zusammen setzen, alle Dinge ansprechen, die einen stinken und im neuen Jahr, in unserem neuen Büro neu anfangen.

Am 27.12 war dann unser Umzug, aber kein Wort bzgl. der Email und ich wurde doch sehr wütend über diese Verbohrtheit. Mittlerweile ärgerte ich mich auch ein wenig, dass ich nicht einen Schnitt gemacht habe. Vielleicht wäre es wirklich besser gewesen, sich zu trennen. Nun hieß es das Beste draus machen. Ende des Jahr verschwanden dann auch meine Rückenschmerzen, dafür bekam ich starke Halsschmerzen und einen fürchterlichen Husten. Am 04.Januar konnte ich meinen Freund wieder sehen und so tat und schluckte ich so ziemlich alles, damit ich an diesem Tag einigermaßen fit sein würde. Körperlich ging es sogar, wenn nicht ständig dieser Husten gewesen wäre. Mein kopf schien zu zerplatzen und im Bauch hatte ich schon Muskelkater. Als ich dann in der ersten Januarwoche (Montags-Donnerstags) insgesamt nur 4,5 Stunden geschlafen hatte und auch die Kunden respektvollen Abstand zu mir hielten, beschloss ich den Mittwoch nicht als Urlaubstag, sondern als Krankheitstag zu nehmen. Mein Schatz kam trotz meiner Krankheit und ich merkte, dass ich ihn selten so gebraucht habe, wie in dieser für mich schwierigen Zeit.





Es ist wirklich mein Lebensenergieakku. Sicherlich brauche ich ihn nicht mehr so sehr wie am Anfang meiner Anpassung, doch ich liebe ihn noch genauso wie am ersten Tag, wenn nicht sogar mehr.

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